„Dvořák in New York“, Benefizkonzert und Festakt der Freunde der Alten Oper, Alte Oper Frankfurt, 25.10.2026
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| Cäcilienchor, Bachchor Heidelberg, Freunde-Orchester Guanqun Yu, Thomas Faulkner, Klaus Albert Bauer alle Fotos: Wonge Bergmann |
Eine Biennale für die Freunde der Alten Oper
Das Freunde-Orchester besteht seit 2014 und setzt sich mittlerweile aus mindestens 85 Instrumentalisten musikbegeisterter Mitarbeiter und Freunde der Alten Oper Frankfurt zusammen, mit dem Ziel, über alle zwei Jahre stattfindende Konzerte, Spenden für das Haus zu sammeln.
Großes Aufgebot
Dieses Jahr stand Antonin Dvořák (1841-1904) und seine Zeit in den USA zwischen 1892 und 1894 auf dem Programm.
„Dvořák in New York“ lautete das Motto des Konzertabends und mitgebracht hatte man das Streichquartett F-Dur op.96 (1893), das selten aufgeführte Te Deum op.103 (1892) sowie die Sinfonie Nr. 9 e-Moll op.95 „Aus der Neuen Welt“ (1893).
Drei Werke, die während, und, was das Te Deum betrifft, kurz vor seinem Aufenthalt in den USA entstanden, aber alle drei dort uraufgeführt wurden.
Zu diesem monumentalen personellen Aufwand, den das selten gespielte Te Deum bedurfte, hatte man den Cäcilienchor Frankfurt (Leitung: Christian Rohrbach) und den Bachchor Heidelberg (Leitung: Thomas Gropper) geladen. Beide gehören zu den ältesten und renommiertesten Chören in Deutschland und gestalten seit mehr als hundert Jahren diverse Konzerte im Rhein Main Gebiet und auch darüber hinaus.
Dazu gehören auch zwei Gesangsolisten der Frankfurter Oper: das frühere Ensemblemitglied und die letztmals in Turandot als Liú gefeierte Sopranistin, Guanqun Yu, sowie der Ensemblebassist, Thomas Faulkner, der ebenfalls als Timur in der Turandot absolut überzeugen konnte.
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| Oxalis Quartett v. l.: Stefan Besan, Frederike Kampick, Tim Düllberg, Lucija Rupert |
Amerikanisches Quartett
Gleich zu Beginn allerdings glänzte in einem wenige Minuten Auftritt das erst seit 2017 bestehende Oxalis Streichquartett mit Stefan Besan (1. Geige), Frederike Kampick (2. Geige), Tim Düllberg (Viola) sowie Lucija Rupert (Violoncello).
Es interpretierte das Allegro des ersten Satzes aus Dvořáks Amerikanischem Quartett, das er in wenigen Tagen während seines Sommeraufenthaltes in der tschechischen Enklave Spillville, Iowa, skizzierte, und das am 1. Januar 1894 in Boston uraufgeführt wurde.
Tatsächlich enthält es wenige Besonderheiten der amerikanischen Folklore, dafür aber ist es gespickt mit Pentatonik, die nach Auffassung des Komponisten amerikanisch wirken sollte.
Auffallend dennoch die synkopierten Rhythmen und die langen flirrenden Akkordfolgen, sowie die großen Notenabstände, was insgesamt eine Räumlichkeit und Weite herstellte, die für die amerikanische Musik, man denke an Aaron Copland, Charles Ives oder auch an Roy Harris, typisch wurde.
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| Rainer Neske mit Spendenurkunde, Dr. Markus Fein |
Große Zustimmung der Freunde der Alten Oper
Ein bewegender Auftakt des Quartetts, der mit kurzen und eindringlichen Dankesreden vom Vorsitzenden des Kuratoriums der Freunde der Alten Oper, Rainer Neske, sowie dem Intendanten der Alten Oper Frankfurt, Dr. Markus Fein, unterbrochen wurde.
Ein Spendenscheck von 60.000 EUR wurde überreicht, der mit brausendem Beifall des vollbesetzten Großen Saales der Alten Oper goutiert wurde.
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| Thomas Faulkner, Guanqun Yu, Klaus Albert Bauer, Freunde- Orchester, Chöre |
In Böhmen komponiert - In der Carnegie Hall uraufgeführt
Es folgte das selten aufgeführte Te Deum mit mehr als 100 Sängerinnen und Sängern der beiden genannten Chöre, dem Freunde-Orchester und den beiden Solisten, Guanqun Yu & Thomas Faulkner, unter der musikalischen Leitung von Klaus-Albert Bauer.
Das Te Deum entstand bereits in Böhmen. Es war ein Auftragswerk von Jeanette Thurber, der Präsidentin des in New York ansässigen National Conservatory of Music, und sollte als festliche Kantate für die 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas erklingen.
Tatsächlich fand die Uraufführung mit 250 Chorsängern am 21 Oktober 1892, also kaum zwei Monate nach seiner Überfahrt in die Neue Welt, in der Carnegy Hall unter seinem persönlichen Dirigat statt.
Ob mit Erfolg oder nicht, bleibt unbekannt. Aber allein die Tatsache seiner seltenen Aufführung lässt zumindest einige musikalische Fragen aufkommen.
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| Klaus Albert Bauer, Freunde-Orchester |
Hymne an die USA
Das vierteilige Werk von knapp 20 Minuten ist kein Te Deum in gewohntem Sinne, sondern unmissverständlich eine Hymne an die USA, dem Gastgeber. Der Text aus dem lateinischen Kirchenhymnus, Dich Gott loben wir, ist ein Lobgesang, der mehr als Garnierung der Musik denn als inhaltliche Auseinandersetzung mit der christlichen Liturgie gelten soll.
Zudem besteht die Musik aus vier kontrastierenden Sätzen zwischen Jubelgesang, dramatischer Ausschmückung und innigem Gebet.
So gehört der erste Satz mit archaischen Paukenpassagen vor allem der Sopranistin Guanqun Yu, die in herrlichen himmlischen Höhen das Sanctus Dominus Deus Sabaoth in den menschengefüllten Saal jubelt. Ein Highlight, das allerdings durch einige Schnitzer, leider ausgehend vom Dirigenten, der die Einsätze verpasste, ein wenig litt.
Das Tu Rex Gloriae des zweiten Teils gestaltete vorwiegend der Bass Thomas Faulkner, der in gewaltigem Wagnerton Du bist der König der Herrlichkeit in den Saal schmetterte, und, leider auf sich selbst gestellt, nahezu den gesamten Abschnitt souverän dominierte, denn im Mittelteil, Darum bitten wir dich, komm deinen Dienern zu Hilfe, wo der Chor, begleitet von den Holzbläsern auftritt, fiel alles so ziemlich auseinander.
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| Mitte: Thomas Faulkner, Guanqun Yu, Klaus Albert Bauer, Freunde-Orchester (Foto: H.boscaiolo) |
An Lautstärke kaum zu übertreffen
Im Aeterna fac wiederum gab der riesige Chor, der zunächst aufgeteilt in Alt und Bass, dann in Sopran und Tenor die Herrlichkeit Christi besingt, den Ton an. Durchaus mit guten Stimmen besetzt, etwas leise zwar, aber immerhin klar konturiert, vom Dirigenten leider nur bedingt zusammengehalten und geführt.
Den Abschluss leitete wieder die Sopranistin, Guanqun Yu, mit glockenklarer gewaltiger Stimme ein: Gewähre Herr, dass wir ohne Sünde bewahrt bleiben. Skandiert vom Chor, der mit dem großen Erbarmen, Miserere nostri, antwortet. Dreimal wiederholt sich diese Szene, ehe Bass und Sopran alles übertönend im Unisono das Benediktum Patrem starten, vom Chor und mit gewaltigem Orchester fortissimo unterlegt.
Ein Halleluja, das zwar an Lautstärke kaum zu übertreffen ist, aber weder zu einer Festkantate anwächst, noch einer sinfonischen Farbigkeit gerecht wird, beendet das Te Deum.
Wie gesagt: großes Lob an die Chöre und die Gesangssolisten, dagegen blieb das Freunde-Orchester und vor allem das wenig hilfreiche Dirigat von Klaus Alber Bauer weit dahinter zurück.
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| Klaus Albert Bauer, Freunde-Orchester |
Heimat im Inneren
Klaus Albert Bauer hielt, bevor er ins Dirigat einstieg, eine kurze Rede über das Werk Dvořáks und bezog sich auf eine Aussage Rafael Kubeliks (1914-1996), der einmal gesagt haben soll: Alles will zurück in die Heimat.
Bezogen auf Dvořák meint er, sei das insofern sinnfällig, als er nie wirklich in den USA angekommen sei und immer auf seine Heimat zurückblickte: „Ein böhmischer Komponist blickt von New York aus auf Amerika – und entdeckt in der Fremde zugleich seine eigene Heimat neu“ (aus dem Programm).
Bauer allerdings reduzierte Heimat auf das innere Gefühl und forderte das Publikum auf, in dieser Weise die Musik des Abends aufzufassen.
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| Klaus Albert Bauer, Freunde-Orchester |
Dvořáks Erkennungszeichen ...
Kommen wir zur abschließenden Neunten, „Aus der Neuen Welt“. Die Uraufführung am 16. Dezember 1893 in der New Yorker Carnegie Hall geriet zum triumphalen Erfolg. Seitdem gehört sie zu Dvořáks Erkennungszeichen par excellence.
Das bedeutet aber auch, dass sie tausendmal gespielt immer wieder neu zu interpretieren und vor allem immer wieder auf höchstem Niveau vorzutragen ist, ansonsten dieses gut 50-minütige Werk heftigster Kritik ausgesetzt wird. Ein gewaltiges Problem für ein Laienorchester, wie es das Freunde-Orchester ist. Und das trifft leider auf die gestrige Vorstellung zu.
... Nicht an an diesem Abend
Gleich der Adagio Einstieg mit Celli, Bratschen, Flöte, Klarinette und Horn ging reichlich schief. Es folgte das gewaltige Allegro molto mit dem Hornruf, der alles andere als überzeugen konnte. Hier endet meine Kritik.
Die einzelnen Instrumentengruppen spielten durchaus gekonnt ihre Partien, wurden allerdings vom sehr steifen und vor allem kaum inspirierenden und oberflächlichen Dirigat regelrecht in ihrem Wirkungskreis eingeschränkt.
Es fehlten schlicht Dynamik, Expressivität, Akzentuierung und die für Dvořák typischen Rhythmuswechsel wie die gesangliche und thematische Originalität.
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| Klaus Albert Bauer, Freunde-Orchester |
Zurück bleibt ein schlechtes Gefühl
Das berühmte Largo des zweiten Satzes, ein Sehnsuchtsthema mit einem ausgedehnten Englisch Horn Solo, konnte eben sowenig überzeugen wie das Scherzo mit den Anregungen aus dem Song of Hiawatha. Statt dessen ein schlimmes Herumwursteln nebst einem eher banalen Trio, eigentlich eine böhmisch geprägte Tanzmusik, ohne Herz und Seele.
Auch das Allegro con fuoco des Schlusssatzes, eine Reminiszenz an die drei vorherigen Sätze mit ganz eigenem Charakter, konnte da nichts mehr retten.
Die Instrumentalisten kämpften sich tapfer durch die Noten, wobei es der Dirigent schaffte, den guten Willen der Musikerinnen und Musiker durch mangelhafte Einsätze und monotones Taktgeben noch mehr zu demotivieren. Schade schade. Zurück bleibt eine schlechtes inneres Gefühl.
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| Schlussapplaus Freunde-Orchester mit Klaus Alber Bauer Foto: H.boscaiolo |
Zukunftswunsch: Ein Haus voller Musik
Dennoch ein erfolgreicher Konzertabend allein was die Spendenbereitschaft der Freunde der Alten Oper Frankfurt angeht, der man unter der wirklich umtriebigen Intendanz von Dr. Markus Fein eine Zukunft voller Musik wünscht.










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