34. Rheingau Musik Festival vom 26.06. bis zum 05.09.2021
Body Rhythm Factory, Kongresshalle kiNG Ingelheim,
31.07.2021
| Body Rhythm Factory, v. l.: Rune Thorsteinsson, Sune Skuldbel Vraa, Peter Stavrum Nielsen Foto: Ansgar Klostermann |
Akteure und Publikum eine Einheit
Ein multinstrumentales Trio aus Dänemarks Hauptstadt
Kopenhagen verstand es prächtig, in diesen lustfeindlichen Zeiten das Publikum
in seine Performance mit einzubeziehen und den Corona bedingten vollbesetzten
Saal der Ingelheimer Kongresshalle (kiNG) zum Brodeln zu bringen.
Peter, Sune und Rune sind im eigentlichen
Sinne Perkussionisten, ihre Musik lebt vom Rhythmus, von der Bewegung mit
Slapstick-Einlagen und vor allem von der Interaktion mit dem Publikum. Und
genau Letzteres macht diese Formation so einmalig.
Gleich zu Anfang schon suchen sie den Kontakt zum Saal.
Witzig gekleidet, fast schon clownesk, traktieren sie den Flügel auf der
Tastatur, auf den Saiten und dem Holz. Mal ein Blues, mal ein Tango, immer aber
ein kokettes Zwiegespräch mit den Zuhörern. Ein wenig joggen, exzentrische
Tanzschritte und eine Nummer mit Wasserbehälter, Gurgeln, Besen auf das
Schlagwerk, Schüssel und Bechergeräusche, und dazu jazzige Einlagen am Flügel
folgt.
Ach ja, die Bühne ist dreigeteilt, links der Flügel, in der
Mitte das Schlagzeug mit Synthesizer, Sampler, Holzschlagwerk und weiteren
Tastinstrumenten, rechts ein Sammelsurium von Gegenständen, mit denen Rhythmus
und Geräusche produziert werden können.
Drei Musiker, die sich gefunden haben
Für das Klavier ist Rune Thorsteinsson
verantwortlich. Er spielte nicht nur auf den Tasten, bediente Synthesizer und
Sampler, sondern sang auch eigene Lieder und verstand es, das Publikum mit
seiner silberfarbenen Kutte in seinen Bann zu ziehen. Nebenbei bemerkt ist er
wohl auch der kompositorische und elektronische Kopf des Ensembles.
Das Schlagzeug bediente Sune Skuldbel Vraa, ehemals Mitglied
der Percussions Show Stomp, mit starkem Hang zum Jazz. Er gehörte eher
zu denjenigen, die immer wieder zur Bodenständigkeit drängten, also zurück zur
Eigentlichkeit ihrer Musik, während die anderen das Chaos liebten und eine
unheimliche Freude daran hatten, dass Publikum zu pushen und an seine Grenzen
zu treiben.
Peter Stavrum Nielsen, ebenfalls ehemaliges Stomp Mitglied, entpuppte sich als absoluter Vollblutrhythmiker und Slapstick Komödiant. Er war nicht zu bremsen, hielt gut eine Stunde den Saal am Laufen und verstand es mit seiner schelmischen Gestik die Menschen im Saal zu allem Unsinn zu verführen. Mal durften sie blöken, mal Zischen, mal Jaulen und Pfeifen, auch Katzenmusik und Hahnenschrei war möglich, immer aber war er amüsant und nie übergriffig. Mit Schlips und Batschkappe schlüpfte er, gewollt oder ungewollt, in die Rolle eines Schelms, verließ aber nie die Grenzen des Geschmacks.
| Body Rhythm Factory, v. l.: Sune, Peter, Rune an den Cajons (Foto: Ansgar Klostermann) |
Das Publikum zeigte Klasse
Großes Lob ans Publikum, denn es machte bedingungslos jeden
Ulk mit, zeigte auch rhythmische Klasse, denn vor allem Sune fand großen Gefallen
daran, die Klatscheinlagen immer komplizierter zu gestalten, was bestens
klappte. Der Saal brodelte schließlich, auch weil man sich über seine eigenen
Fähigkeiten freute. Viel Lachen und Rufen von den Rängen wie vom Parkett.
Zehn sehr unterschiedliche Nummern hatten die Drei auf dem
Kasten, darunter eine Eimer-, eine Wasser-, eine Cajon-, eine Tango-, eine
Flamenco- sowie zwei Song-Nummern. Bemerkenswert die Hand und Körperperkussions-Nummer
von Peter – er ist wirklich ein Ganzkörperrhythmiker par excellence; aber auch
die Bla-Bla Nummer mit Flamenco, Toreroeinlage, Hahnenschrei und Bla-Bla Finale
mit Publikum war höchst amüsant und regelrecht befreiend.
Menschliche Performance, Balsam für die Seele
Zwei Zugaben, ein Blues mit Vierviertel Beats und Dauerklatschen
sowie ein lyrischer Abschluss mit Gesang und virtuosen Einlagen von Rune
hinterließen ein glückliches Auditorium. Maskenfrei mit lachenden Gesichtern,
wie wohltuend - so endete eine sehr menschliche Performance, Balsam für die Seele,
das Gemüt und Futter für eine positive Stimmung.
Ach ja, eine Magier Nummer von Sune sollte nicht vergessen
sein. Er trug plötzlich eine FFP-Maske, steckte sie dann in das Schallloch eines
Cajons. Wirbelte mit heftigen Bewegungen das Schlaginstrument durch die Gegend
und entnahm schließlich mit ostentativ zur Schau gestellter Anstrengung – eine
schwarze Phantom-Maske. Mache sich einen Reim
darauf wer will.
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