Sonntag, 1. August 2021

 

34. Rheingau Musik Festival vom 26.06. bis zum 05.09.2021

 

Body Rhythm Factory, Kongresshalle kiNG Ingelheim, 31.07.2021



Body Rhythm Factory, v. l.: Rune Thorsteinsson, Sune Skuldbel Vraa, Peter Stavrum Nielsen 
Foto: Ansgar Klostermann


Akteure und Publikum eine Einheit

Ein multinstrumentales Trio aus Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen verstand es prächtig, in diesen lustfeindlichen Zeiten das Publikum in seine Performance mit einzubeziehen und den Corona bedingten vollbesetzten Saal der Ingelheimer Kongresshalle (kiNG) zum Brodeln zu bringen.

Peter, Sune und Rune sind im eigentlichen Sinne Perkussionisten, ihre Musik lebt vom Rhythmus, von der Bewegung mit Slapstick-Einlagen und vor allem von der Interaktion mit dem Publikum. Und genau Letzteres macht diese Formation so einmalig.

Gleich zu Anfang schon suchen sie den Kontakt zum Saal. Witzig gekleidet, fast schon clownesk, traktieren sie den Flügel auf der Tastatur, auf den Saiten und dem Holz. Mal ein Blues, mal ein Tango, immer aber ein kokettes Zwiegespräch mit den Zuhörern. Ein wenig joggen, exzentrische Tanzschritte und eine Nummer mit Wasserbehälter, Gurgeln, Besen auf das Schlagwerk, Schüssel und Bechergeräusche, und dazu jazzige Einlagen am Flügel folgt.

Ach ja, die Bühne ist dreigeteilt, links der Flügel, in der Mitte das Schlagzeug mit Synthesizer, Sampler, Holzschlagwerk und weiteren Tastinstrumenten, rechts ein Sammelsurium von Gegenständen, mit denen Rhythmus und Geräusche produziert werden können.

Drei Musiker, die sich gefunden haben

Für das Klavier ist Rune Thorsteinsson verantwortlich. Er spielte nicht nur auf den Tasten, bediente Synthesizer und Sampler, sondern sang auch eigene Lieder und verstand es, das Publikum mit seiner silberfarbenen Kutte in seinen Bann zu ziehen. Nebenbei bemerkt ist er wohl auch der kompositorische und elektronische Kopf des Ensembles.

Das Schlagzeug bediente Sune Skuldbel Vraa, ehemals Mitglied der Percussions Show Stomp, mit starkem Hang zum Jazz. Er gehörte eher zu denjenigen, die immer wieder zur Bodenständigkeit drängten, also zurück zur Eigentlichkeit ihrer Musik, während die anderen das Chaos liebten und eine unheimliche Freude daran hatten, dass Publikum zu pushen und an seine Grenzen zu treiben.

Peter Stavrum Nielsen, ebenfalls ehemaliges Stomp Mitglied, entpuppte sich als absoluter Vollblutrhythmiker und Slapstick Komödiant. Er war nicht zu bremsen, hielt gut eine Stunde den Saal am Laufen und verstand es mit seiner schelmischen Gestik die Menschen im Saal zu allem Unsinn zu verführen. Mal durften sie blöken, mal Zischen, mal Jaulen und Pfeifen, auch Katzenmusik und Hahnenschrei war möglich, immer aber war er amüsant und nie übergriffig. Mit Schlips und Batschkappe schlüpfte er, gewollt oder ungewollt, in die Rolle eines Schelms, verließ aber nie die Grenzen des Geschmacks.


Body Rhythm Factory, v. l.: Sune, Peter, Rune an den Cajons (Foto: Ansgar Klostermann)

Das Publikum zeigte Klasse

Großes Lob ans Publikum, denn es machte bedingungslos jeden Ulk mit, zeigte auch rhythmische Klasse, denn vor allem Sune fand großen Gefallen daran, die Klatscheinlagen immer komplizierter zu gestalten, was bestens klappte. Der Saal brodelte schließlich, auch weil man sich über seine eigenen Fähigkeiten freute. Viel Lachen und Rufen von den Rängen wie vom Parkett.

Zehn sehr unterschiedliche Nummern hatten die Drei auf dem Kasten, darunter eine Eimer-, eine Wasser-, eine Cajon-, eine Tango-, eine Flamenco- sowie zwei Song-Nummern. Bemerkenswert die Hand und Körperperkussions-Nummer von Peter – er ist wirklich ein Ganzkörperrhythmiker par excellence; aber auch die Bla-Bla Nummer mit Flamenco, Toreroeinlage, Hahnenschrei und Bla-Bla Finale mit Publikum war höchst amüsant und regelrecht befreiend.


Menschliche Performance, Balsam für die Seele

Zwei Zugaben, ein Blues mit Vierviertel Beats und Dauerklatschen sowie ein lyrischer Abschluss mit Gesang und virtuosen Einlagen von Rune hinterließen ein glückliches Auditorium. Maskenfrei mit lachenden Gesichtern, wie wohltuend - so endete eine sehr menschliche Performance, Balsam für die Seele, das Gemüt und Futter für eine positive Stimmung.

Ach ja, eine Magier Nummer von Sune sollte nicht vergessen sein. Er trug plötzlich eine  FFP-Maske, steckte sie dann in das Schallloch eines Cajons. Wirbelte mit heftigen Bewegungen das Schlaginstrument durch die Gegend und entnahm schließlich mit ostentativ zur Schau gestellter Anstrengung – eine schwarze Phantom-Maske.  Mache sich einen Reim darauf wer will.

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