Kommentar
zum neuen EM-Magazin Nr. 55 2022/1:
Ein Freund
des Ensemble Modern schreibt,
Ich habe
lange überlegt, warum mir die Lektüre Ihres neuen EM-Magazins Nr.55 zunehmend
Unmut und Widerwillen bereitete und der Lesegenuss von Seite zu Seite getrübt
wurde.
Eine
Antwort hat sich alsbald angeboten:
Es kommt mir
vor, als ob das EM kollektiv in eine weltabgewandte Blase abgerückt ist. In
einer Zeit, in der aufgrund der sog. Coronakrise seit mittlerweile zwei Jahren
unsere Gesellschaft zielsicher in den Abgrund gesteuert wird und sich die Kunst
und Musik in ihrem größten Selbstverständnis-Dilemma seit dem zweiten Weltkrieg
befindet, tut man so, als ob alles bestens sei, alles seinen normalen Gang
ginge. Zumindest nach außen.
Dazu ein
bemerkenswertes Zitat eines
früheren hochrangigen deutschen Geheimdienstmitarbeiters, der anonym bleiben
möchte und dem jede „Verschwörungstheorie“ im klassischen Sinne fremd ist:
„Die politischen Entscheidungen zur Bekämpfung der
Corona-Infektion und die Entscheidungen zu Impfmaßnahmen sind in Deutschland
und in anderen westlichen Staaten weitgehend unvernünftig und widersprüchlich.
Sie helfen nicht, die epidemische Lage zu bewältigen, sondern haben
gegenteilige Wirkungen. Diese Maßnahmen sind aber sehr vernünftig und überhaupt
nicht widersprüchlich, wenn man das Unglaubliche akzeptiert, dass die
Verantwortlichen mit ihren Entscheidungen nämlich ganz andere Ziele verfolgen
als die Bekämpfung einer Pandemie. Nämlich die Zerstörung der bestehenden
freiheitlichen Ordnung und die Errichtung autoritärer öko-sozialistischer
Überwachungsstaaten. Mittlerweile sind sie ihrem Ziel sehr nahegekommen.
Mit den repressiven und menschenrechtswidrigen Maßnahmen provozieren sie
Proteste der Bevölkerung und nehmen offensichtlich bürgerkriegsähnliche
Zustände und Chaos billigend in Kauf, um unter dem Vorwand des
Staatsschutzes die Reste der freiheitlichen Demokratie zu beseitigen.“ (Fettgedrucktes von mir)
Zurück
zum Magazin:
Da schreibt
eine Ellen Freyberg über die Komponistin Maja S.K. Radkje, in Fiktionen
und Identitäten, sie sei ein „Freigeist“, der nach einer Neuen Musik suche,
„ohne Gefälligkeiten und Mainstreams nachzugeben“, der eine Musik von hoher
„poetischer Macht“ komponiere. Oder über den Komponisten Enno Poppe, sein
neues Werk Körper für Ensemble fülle einen weißen Fleck auf der
musikalischen Landkarte, indem er bisher noch nicht gehörte Bigband Klänge zum
Leben erwecke. Alles toll.
Aber wer
sitzt denn in der Alten Oper, in der Kölner Philharmonie, und unter welchen
Voraussetzungen? Antwort: Es ist die reinste Form von Apartheid durch
gewaltsamen Ausschluss nicht genehmer gesunder Menschen. Dazu liest man nichts.
Die Realität nimmt täglich wachsende Gruseligkeiten an, aber man spricht von
„prachtvollen Tagen in Donaueschingen vergangenen Herbst“. Sprachlosigkeit,
mehr bleibt da nicht.
Dann
Pygmalia von Mano Tsangaris. Ein Querdenker einstmals, der im
Interview mit Raoul Mörchen kein Wort über die reale Lage seines Umfeldes
verliert, stattdessen von „wechselnder Intersubjektivität“ im Gegensatz zu
„pseudo-objektivierenden Situationen“ spricht und die Frage stellt, wie
Wirklichkeit generiert wird und ob wir uns nicht in der Falle der Illusion
befinden (Zitat: „Inwieweit tappen wir immer wieder in die Falle der
Illusionen?“).
Auch sein
Musiktheater wird im Februar in der Alten Oper uraufgeführt (wenn überhaupt)
und dem Ganzen geht ein mehrtägiger Workshop voraus. Aber für wen und unter
welchen Bedingungen? Kein Wort dazu. Warum, fragt man sich?
Mi We, Me
Hui, Me Whee?
Ebenso fehlt
dem großen cresc. … Spektakel Ende Februar und Anfang März 2022
jeglicher Bezug zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage. Das
Motto lautet: Mi We, in Anlehnung an Muhammed Alis (1942-2016)
Schlusspoem am Ende seines Vortrags vor Harvard Studenten im Jahre 1975, um
seine Lebensphilosophie auf den kürzesten Begriff zu bringen (unklar ist
allerdings, ob er nicht während der tumultartigen Szenen Me Hui oder auch Me
Whee gerufen hat).
Dieses Poem
in eine „Vielfalt von Spielarten aktueller Musik“ zu übertragen, scheint doch
reichlich gewagt und entspricht in keiner Weise dem, was der beste Boxer aller
Zeiten damit aussagen wollte, denn er war ein ausgemachter Individualist,
absolut kompromisslos gegenüber sich und anderen, und dazu ein Pazifist erster
Güte, ein Fremdwort in heutiger Zeit. BLM wäre ihm, nebenbei bemerkt, als
gläubiger Muslim übrigens absolut fremd gewesen.
Allein schon
das Programm, in dem eine sogenannte Freitagsküche „gustatorische
Erlebnisse“ verspricht (mit welchen Speisen wohl?), in der von der „produktiven
Kraft der Gemeinschaftlichkeit“ gepredigt, oder das
Do-it-yourself-Agit-Pop-Restaurant mit einem Me-WE-Meal zelebriert werden soll,
lässt doch wenig an Muhammed Ali erinnern. Vielleicht auch nicht gewollt, aber
warum dann dieses umstrittene, angeblich kürzeste Poem aller Zeiten (was
übrigens auch falsch ist, es gibt kürzere)?
Zwischen Eröffnungskonzert
(25.02.), über Fire & Ice (26.02), Night shift (27.02.)
zum Liberation Orchestra (04.03.) und Black to the Future
(04.03., warum nicht Coloured to the Future, oder Yellow … oder Red … oder
grün? Man weiß es nicht!) zieht sich dann ein Band von Gendersprech. Soll Black
to the Future zum Abschluss von cresc.… eine Assoziation zu BLM
herstellen? Ärgerlich, wenn ja, dennoch durchaus übergriffig. Denn eine
schwarze Schwedin, Sofia Jernberg heißt sie, (Sie singt, performed und
improvisiert), macht noch lange keine Future, so wie eine Schwalbe noch lange
keine Sommer macht.
Framing
und Genderideologie
Und an
dieser Stelle kommt die Ideologie ins Spiel. Warum diese Anpassung an den
Mainstream von BLM, Freitags-Hüpfer, Apokalyptiker des Weltuntergangs bis hin
zu den diversen Geschlechtern? Die Gendersprache scheint leider auch beim EM-Magazin
angekommen zu sein. (Eine angenehme Ausnahme bildet da noch der Beitrag von
Ellen Freyberg: Fiktionen und Identitäten.)
Für einen
Wort- und Sprachliebhaber ist das eine Zumutung. Noch reduziert sich das
Geschreibsel auf Doppelpunkte und Wortungeheuer wie
Komponist:innenpersönlichkeit. Vor allem im Beitrag von Egbert Hiller Shaping
the Future wimmelt es nur so von diesen Missbräuchen und, ehrlich gesagt,
das Lesen wird dadurch nicht gerade bereichert. Im Gegenteil. Keine Lust auf
Text bei dieser Sprachverhunzung. Glücklicherweise ist der englische Text noch
normal und man kann getrost auf diesen ausweichen.
Auch der
Gendersprech – sollte man endlich einmal konstatieren – ist Teil der
maschinengetriebenen Machtübernahme des digital-finanziellen Komplexes. Nicht
um Geschlechtergerechtigkeit geht es bei seiner Verwendung, sondern um die
Neutralisierung der Geschlechter und ihre Anpassung an eine digitalisierte
entmenschlichte Algorithmen-Sprache. Man möge sich nur einmal die Pamphlete
ihrer sogenannten wissenschaftlichen Protagonisten anschauen.
Tanzen,
springen, singen und klingen
Die Echographien
des Mark Andre möchte ich aussparen, da er sich auf die akustische
Gestaltung von Kirchenräumen konzentriert, auf der Suche nach sich selbst und
der göttlichen Vorsehung. Sehr anerkennenswert, aber in diesem Rahmen nicht
relevant.
Aber der
Kommentar von Stefan Fricke zu tanzen und springen … von Georges
Aperghis und Arnulf Herrmann. Er handelt von zwei Kompositionen, Hopse
von Aperghis und Hard boiled Variations von Herrmann, die auf den
Wittener Tage im Mai dieses Jahres zur Uraufführung kommen sollen. Ziemlich
sinnfrei? Nein. Denn Fricke gelingt es geschickt, mit zwei Zitaten die Allianz
von Musik und Tanz und damit die beiden Werke gesellschaftlich umzudeuten und
sie weitestgehend in einen aktuellen Kontext zu setzen. Einmal mit der Aussage
der Anarchistin und Frauenrechtlerin Emma Goldberg (1869-1940): „Wenn ich nicht
tanzen kann, ist das nicht meine Revolution“ und mit der Ergänzung Kurt
Tucholskys (1890-1935): „Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche
Revolution in der Musik statt.“
„Auf dem Weg
zur Neuen Musik, das sei ergänzt“, kommentiert Fricke die beiden Zitate
abschließend.
Schön wäre
das alles. Tatsächlich ist eine Revolution ohne Tanz wertlos. Alle Diktaturen
und totalitären Regime sorgen mit Nachdruck dafür, dass der Spaß am Leben, die
Lust am Feiern sowie das Tanzen verboten, verpönt und verteufelt werden.
Kontrolle allen Lebens ist oberstes Gebot. Wir erleben es seit nun zwei Jahren
am eigenen Leib. Gebongt, und Respekt an beide Komponisten, das Tanzen und
Springen, das Singen und Klingen in ihren Werken zu thematisieren. Allerdings
müsste Tucholskys Zitat heute folgendermaßen lauten: Wegen andauernder
Corona-Einschränkungen und Verfassungsbrüchen ist die Neue Musik abgetaucht und
steckt ihren Kopf in den Sand: Nichts hören, nichts sehen und vor allem, Maul
halten. Ist das der neue Weg der Neuen Musik?
Happy New
Ears?
Gutes
Beispiel dafür ist die Ansage zu den Happy New Ears 2022, wo im Rahmen von
ICCS curtain_call, (des International Composer und Conductor Seminar,
gefördert von der Aventis Foundation) die Lucerne Festival Academy unter
der Leitung von Wolfgang Rihm zu Gast sein soll und viele junge
Komponisten ihre neuesten Kompositionen zum Besten geben dürfen, darunter der
junge Pole Rafat Ryterski (*1992) mit Genderfuck, wobei man hofft,
dass auch drin ist, was versprochen wird, oder Monika Szpyrka (*1993),
die musikalisch den Kampf gegen Konsumismus und Wegwerfmentalität angesagt hat.
Alles wunderbar. Aber wer ist der Adressat in einer heillos gespaltenen
Gesellschaft?
Natürlich
darf „afrodiasporische Musik“ nicht fehlen. Genannt ist die Kubanerin Tania
León (*1943), die angeblich mit Ritmicas und Guaguancó an die
Sklavenmusik der Karibik erinnern möchte. Sie selbst aber lebt seit Jahrzehnten
in den USA, lehnt jegliche Zuschreibung ihrer Musik an ethnische Wurzeln ab und
beschreibt „die Einflüsse ihrer Kompositionen, die sowohl ihre Persönlichkeit
als auch ihre Musik geprägt haben, als vielfältig“. Na ja. Aufgemotzt heißt
nicht unbedingt, dem BLM-Narrativ gerecht zu werden. Wir werden sehen, wenn
überhaupt, und vor wem die Musik der „Öffentlichkeit“ präsentiert werden wird.
Apartheid und afrodiasporische Musik im freien Westen, im besten Deutschland,
das es je gegeben hat? Was hätte wohl der Wortschöpfer dieser seit 1993
existenten Reihe, John Cage, dazu gesagt. Konzert-Daten gibt es auch hier bisher
keine.
Traum
oder Trauma? Richtig oder falsch?
Johannes
Kalitzke und Bernhard
Gander seien finaliter noch zu erwähnen. Ersterer hat eine Oper zu Kapitän
Nemos Bibliothek von Per Olov Enquist für die Schwetzinger Festspiele
geschrieben. Es geht darin um zwei Jungen, die als Neugeborene vertauscht
worden sind und deren Tragödie darin kumuliert, dass ihre Familien im Dorf
zusammenleben und täglich die Tragödie ihres Lebens sichtbar ist, da beide
ihren falschen Müttern aufs Haar gleichen.
Kalitzke,
eher bekannt als ausgezeichneter Dirigent, schreibt selbst dazu, dass die
Ambivalenz und Vielschichtigkeit seines Werks darin bestehe, den „permanenten
Wechsel zwischen Realität und Traumwelt erfahrbar zu machen“. Auch hier
bemerkenswert die Wortwahl. Eine Tragödie zwischen Traum und Realität? Wäre da nicht
besser von Trauma und Erschütterung zu sprechen und das musikalisch und
dramatisch zum Ausdruck zu bringen? Leider wird nicht über Aufführung und
Erfolg dieser Oper geschrieben.
Bernhard
Gander, der
volltätowierte unangepasste Österreicher, hat sich während der Corona-Krise an
eine Musiktheaterproduktion getraut, gemeinsam mit der Deutschen Oper Berlin
und dem Ensemble Modern. Lieder der Vertreibung und Nimmerwiederkehr
nennt er sein Werk und verweist dabei auf die russisch-ukrainischen Konflikte
als Ausgangspunkt seines Librettos. Sehr interessant sein Eingeständnis, die
allgemeinen Verhältnisse seien zu komplex, um überhaupt eine „richtige
Entscheidung“ treffen zu können.
Wie das
musikalisch und bühnentechnisch umgesetzt werden soll, bleibt allerdings
unklar. Auch hier kein Datum der Aufführung.
Ein
freundlicher Appell eines Verzweifelten an das EM:
Bitte bleiben
Sie sich der Freiheit und Grenzenlosigkeit der Musik bewusst. Kunst darf
Grenzen sprengen, sie soll und muss sogar verschwörerisch, quer und auch
schwurbelig sein, nur so bleibt sie frisch, kraftvoll, unangepasst,
futuristisch, ideenreich, fantastisch und vor allem utopisch.
Was jetzt
allerdings auffällt ist aus meiner Sicht das genaue Gegenteil. Wie das berühmte
Bild der drei Affen, die sich Augen, Ohren und Maul zuhalten, kommt dem
kritischen Journalisten der aktuelle Zustand auch des EM vor. Anpassung an den
„Mainstream“, der nicht von unten wächst, sondern von Oben gewaltsam diktiert
wird, scheint den musikalischen Weg zu pflastern. (Ich verweise an dieser
Stelle auf das Eingangszitat, aber auch auf die täglich erfahrbaren übergriffigen
Kontrollen der Geldgeber und politisch Mächtigen, die keine rote Linie mehr zu
kennen scheinen.)
Außen und
Innen
Ja die
materiellen und finanziellen Abhängigkeiten mögen immer offensichtlicher mit
fatalen Folgen für die Kunst und Musik ans Tageslicht treten. Wie aber wirkt
das auf die inneren Befindlichkeiten, die Seelenzustände der Komponisten,
Instrumentalisten und künstlerischen Entertainer? Machen Sie sich doch nichts vor. Die Schlinge
um den Hals wird enger und umso enger, je mehr man glaubt, durch die
berüchtigte Affenhaltung ungeschoren davonkommen zu können. Das wird nicht
geschehen. Die Musik wird keinerlei Revolution machen, wie sarkastischer Weise
Tucholsky in den 1930er Jahren konstatierte, bevor er in den Freitod ging, aber
sie darf sich auch nicht zum Steigbügelhalter zerstörerischer und
menschenverachtender Kräfte degradieren.
Wie können
Sie eine heile Welt vorgaukeln, wo vor den Türen die Gesellschaft
zusammenbricht, wo Gesetzlosigkeit, Hochstapelei, Lügen und Kriminalität zum
allgemeinen Selbstverständnis unseres „Regimes“ (O-Ton Scholz in der
Neujahrsansprache zu 2022) geworden sind, wo Korruption alle gesellschaftlichen
Bereiche überwölbt und die Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung von
Kritikern, wilde Zensur und die Zerstörung von Existenzen zum täglichen Bild
unserer BRD verkommen sind?
Wer
verdient die Freiheit?
Vor fast
zwei Jahren habe ich zu einem spontanen Flashmob aufgerufen, zu Aktionen
deutschland- oder auch europaweit, die deutlich machen sollten, dass Kunst und
Musik für alle da sind und sich nicht in die Isolation und Schockzustände zwängen
lassen dürfen. Was ist seither geschehen?
Die Künstler
und Künstlerinnen, die um ihre und unsere Freiheit kämpfen sind leider in der
Minderheit geblieben, werden schamlos verfolgt, gemobbt, bedroht und ihrer
Existenz beraubt. Sie müssten mehr sein und vor allem von den etablierten,
gesponsorten und gehätschelten Künstlern nebst ihren Institutionen unterstützt
werden, was bisher leider ausgeblieben ist.
Individuell
und /oder kollektiv
Auch wenn
ein großer Teil der Künstler sehr individualistisch denkt und nur ihrer Bestimmung
verantwortlich zu sein scheint, so sind die Kunstschaffenden doch in höchstem
Maße in die Gesellschaft involviert, sei es durch Konzerte bzw. öffentliche
Auftritte, sei es aber auch durch die Alimentierung staatlicher und privater
Förderung. Dieses scheinbar unlösbare Dilemma darf aber nicht zum
Hofschranzentum verführen (vor allem die staatlich verkommenen Komiker und Zeitdiebe
in den öffentlich-rechtlichen Medien geben dafür ein erschreckendes Beispiel
ab), aber auch nicht zum Stillhalten und Abwarten. Psychologisch ist das die
Fortsetzung des Schock- und Angsterlebsnisses der ersten Phase dieser sog.
Pandemie, wo alle noch glaubten, ein Killervirus würde der Menschheit den
Garaus machen. Verständlich durchaus.
Der Kelch
geht nicht vorüber
Jetzt haben sich die Zeiten
grundlegend geändert und immer deutlicher wird, dass es um die Zerstörung der
bestehenden freiheitlichen Ordnung und die Errichtung eines autoritären Überwachungsstaates
mit gewaltsamen Mitteln (wozu auch der Gendersprech gehört) geht, wovon die
Kunst und Musik nicht verschont werden wird. Dessen sollten Sie sich
bewusst sein und ihr kompositorisches und musikalisches Handeln darauf
einstellen. Wie, das sei Ihnen überlassen. Aber zu hoffen, der Kelch ginge an
ihnen vorüber, und ein Weiter so wäre machbar, wie es zurzeit ausschaut, das führt
allenfalls zum klassischen Trugschluss.
Wo ist die rote Linie?
Bis hierher sind sie bereits gegangen, das heißt
Ausschluss von ca. 30-Prozent der Hörer und Liebhaber des EM und damit der
Neuen Musik aus den öffentlichen Veranstaltungen; auch gewaltsame Isolation,
Selbst- und Fremdkontrolle des Privaten, Erschwerung von Kommunikation und
gegenseitigem direktem Austausch – es sei denn, man gebe der Digitalität den
Vorzug und man liebt es, ständig Maske zu tragen.
Wenn man erleben muss, dass selbst langjährige gute
Bekanntschaften und journalistischer Austausch gekappt werden, indem man
Interviews ablehnt, weil man zu den Ungeimpften gehört, Einladungen cancelt
wegen Impfkritik und überhaupt kritischer Einstellung zur Corona-Politik, oder
gar ein unbegrenztes Hausverbot ausspricht, weil die Maske nicht korrekt sitzt,
dann kommen schon Vergleiche mit unseligen Zeiten auf, die wir hoffentlich alle
nicht mehr wollen. Ausgerechnet gehören zu dieser Spezies vor allem die
Vertreter und Organisatoren der Neuen Musik – einer Musik, die bekanntlich von
Anfang an in die Kiste übelster medizinischer Beleidigungen gesteckt wurde,
Stichwort: A. Schoenberg und die Dodekaphonie. Schändlich, aber leider real und
am eigenen Leib erfahren.
Zwei Jahre und immer schlimmer
Ich persönlich habe in diesen surreal abgedrifteten Zeiten meine journalistische Berichterstattung von Konzerten, Opern und sonstigen theatralen Veranstaltungen auf Eis gelegt, weil es mich als gesunder Mensch mit gesundem Menschenverstand einfach anekelt, mit viren- und keimbelasteter Maske während eines Konzerts herumlaufen, verordneten Abstand und Wegerichtung halten, Konversation meiden, ständigen kindisch-blöden Ansagen aus irgendwelchen Lautsprechern ausgesetzt sein zu müssen ( in persönlicher Erinnerung an die kommunistischen Staaten zu Zeiten Enver Hodschas, Titos und Janos Kádárs, wo man auf Schritt und Tritt zu staatskonformem Verhalten angehalten wurde). Ein Katakomben-Klima mit Zombies ist das. Einfach nur gespenstig und die Ästhetik mit Füßen traktierend.
Auch nervt es, den ständigen Wechsel von Masken auf der
Bühne miterleben zu müssen, ein Schwachsinn ohne Gleichen, dazu noch ein
Ausbund an Dreckschleuderei. Auch lässt die natürliche Innovation der Protagonisten
und ihre Liebe, ja Liebe zur Musik augenscheinlich mehr und mehr unter den
Protagonisten zu wünschen übrig. Viele Instrumentalisten, Dirigenten und
Intendanten machen mir den Eindruck, überfordert oder zumindest unlustig, gar
unwillig zu sein.
Neue Musik, angepasst oder stachelig
Man glaubt es kaum, wie weit wir als aufgeklärte
Nation ins „Mittelalter“ abgerutscht sind und die kleine Auswahl der Jasager in
den Konzert- und Opernhäusern (zurzeit besetzen sie weniger als ein Drittel der
Sitzplätze, die Opernleitung Frankfurt beispielsweise muss noch den unseligen Capo
spielen, und eine qualifizierte Auswahl der Besucher treffen. Schauerlich.)
diesen offensichtlichen Blödsinn mit Verve selbst noch auf die Spitze treiben,
indem sie untereinander die besten Blockwarte abgeben. Nein, es treibt mir den
Wutschweiß auf die Stirn. Und die Bühnenleistung erschreckt mehr als dass sie
aufrichtet und Zuversicht verbreitet.
Wann und wie laut platzt die Blase?
Ich kann mir nicht vorstellen, wie man unter diesen
Bedingungen überhaupt noch Freude an der Musik oder am Opern- und
Theatergeschehen haben kann. Ich auf jeden Fall gehöre nicht dazu und weigere mich
auch, diese unseligen Gruseligkeiten im Kulturbetrieb weiterhin mitzumachen.
Möglicherweise funktioniert ja ihre Blase. Aber eine
Blase ist nun mal eine Blase, die bei zu großem Druck unweigerlich platzt. Bei
dem einen früher, bei dem anderen später, möglicherweise auch nicht, aber das
wäre fatal und würde weiß Gott nichts Gutes bedeuten.
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