Montag, 17. Januar 2022

 

Kommentar zum neuen EM-Magazin Nr. 55 2022/1:

 


Ein Freund des Ensemble Modern schreibt,

Ich habe lange überlegt, warum mir die Lektüre Ihres neuen EM-Magazins Nr.55 zunehmend Unmut und Widerwillen bereitete und der Lesegenuss von Seite zu Seite getrübt wurde.


Eine Antwort hat sich alsbald angeboten:

Es kommt mir vor, als ob das EM kollektiv in eine weltabgewandte Blase abgerückt ist. In einer Zeit, in der aufgrund der sog. Coronakrise seit mittlerweile zwei Jahren unsere Gesellschaft zielsicher in den Abgrund gesteuert wird und sich die Kunst und Musik in ihrem größten Selbstverständnis-Dilemma seit dem zweiten Weltkrieg befindet, tut man so, als ob alles bestens sei, alles seinen normalen Gang ginge. Zumindest nach außen.

Dazu ein bemerkenswertes Zitat eines früheren hochrangigen deutschen Geheimdienstmitarbeiters, der anonym bleiben möchte und dem jede „Verschwörungstheorie“ im klassischen Sinne fremd ist:

„Die politischen Entscheidungen zur Bekämpfung der Corona-Infektion und die Entscheidungen zu Impfmaßnahmen sind in Deutschland und in anderen westlichen Staaten weitgehend unvernünftig und widersprüchlich. Sie helfen nicht, die epidemische Lage zu bewältigen, sondern haben gegenteilige Wirkungen. Diese Maßnahmen sind aber sehr vernünftig und überhaupt nicht widersprüchlich, wenn man das Unglaubliche akzeptiert, dass die Verantwortlichen mit ihren Entscheidungen nämlich ganz andere Ziele verfolgen als die Bekämpfung einer Pandemie. Nämlich die Zerstörung der bestehenden freiheitlichen Ordnung und die Errichtung autoritärer öko-sozialistischer Überwachungsstaaten. Mittlerweile sind sie ihrem Ziel sehr nahegekommen. Mit den repressiven und menschenrechtswidrigen Maßnahmen provozieren sie Proteste der Bevölkerung und nehmen offensichtlich bürgerkriegsähnliche Zustände und Chaos billigend in Kauf, um unter dem Vorwand des Staatsschutzes die Reste der freiheitlichen Demokratie zu beseitigen.“ (Fettgedrucktes von mir)


Zurück zum Magazin:

Da schreibt eine Ellen Freyberg über die Komponistin Maja S.K. Radkje, in Fiktionen und Identitäten, sie sei ein „Freigeist“, der nach einer Neuen Musik suche, „ohne Gefälligkeiten und Mainstreams nachzugeben“, der eine Musik von hoher „poetischer Macht“ komponiere. Oder über den Komponisten Enno Poppe, sein neues Werk Körper für Ensemble fülle einen weißen Fleck auf der musikalischen Landkarte, indem er bisher noch nicht gehörte Bigband Klänge zum Leben erwecke. Alles toll.

Aber wer sitzt denn in der Alten Oper, in der Kölner Philharmonie, und unter welchen Voraussetzungen? Antwort: Es ist die reinste Form von Apartheid durch gewaltsamen Ausschluss nicht genehmer gesunder Menschen. Dazu liest man nichts. Die Realität nimmt täglich wachsende Gruseligkeiten an, aber man spricht von „prachtvollen Tagen in Donaueschingen vergangenen Herbst“. Sprachlosigkeit, mehr bleibt da nicht.

Dann Pygmalia von Mano Tsangaris. Ein Querdenker einstmals, der im Interview mit Raoul Mörchen kein Wort über die reale Lage seines Umfeldes verliert, stattdessen von „wechselnder Intersubjektivität“ im Gegensatz zu „pseudo-objektivierenden Situationen“ spricht und die Frage stellt, wie Wirklichkeit generiert wird und ob wir uns nicht in der Falle der Illusion befinden (Zitat: „Inwieweit tappen wir immer wieder in die Falle der Illusionen?“).

Auch sein Musiktheater wird im Februar in der Alten Oper uraufgeführt (wenn überhaupt) und dem Ganzen geht ein mehrtägiger Workshop voraus. Aber für wen und unter welchen Bedingungen? Kein Wort dazu. Warum, fragt man sich?

 

Mi We, Me Hui, Me Whee?

Ebenso fehlt dem großen cresc. … Spektakel Ende Februar und Anfang März 2022 jeglicher Bezug zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage. Das Motto lautet: Mi We, in Anlehnung an Muhammed Alis (1942-2016) Schlusspoem am Ende seines Vortrags vor Harvard Studenten im Jahre 1975, um seine Lebensphilosophie auf den kürzesten Begriff zu bringen (unklar ist allerdings, ob er nicht während der tumultartigen Szenen Me Hui oder auch Me Whee gerufen hat).

Dieses Poem in eine „Vielfalt von Spielarten aktueller Musik“ zu übertragen, scheint doch reichlich gewagt und entspricht in keiner Weise dem, was der beste Boxer aller Zeiten damit aussagen wollte, denn er war ein ausgemachter Individualist, absolut kompromisslos gegenüber sich und anderen, und dazu ein Pazifist erster Güte, ein Fremdwort in heutiger Zeit. BLM wäre ihm, nebenbei bemerkt, als gläubiger Muslim übrigens absolut fremd gewesen.

Allein schon das Programm, in dem eine sogenannte Freitagsküche „gustatorische Erlebnisse“ verspricht (mit welchen Speisen wohl?), in der von der „produktiven Kraft der Gemeinschaftlichkeit“ gepredigt, oder das Do-it-yourself-Agit-Pop-Restaurant mit einem Me-WE-Meal zelebriert werden soll, lässt doch wenig an Muhammed Ali erinnern. Vielleicht auch nicht gewollt, aber warum dann dieses umstrittene, angeblich kürzeste Poem aller Zeiten (was übrigens auch falsch ist, es gibt kürzere)?

Zwischen Eröffnungskonzert (25.02.), über Fire & Ice (26.02), Night shift (27.02.) zum Liberation Orchestra (04.03.) und Black to the Future (04.03., warum nicht Coloured to the Future, oder Yellow … oder Red … oder grün? Man weiß es nicht!) zieht sich dann ein Band von Gendersprech. Soll Black to the Future zum Abschluss von cresc.… eine Assoziation zu BLM herstellen? Ärgerlich, wenn ja, dennoch durchaus übergriffig. Denn eine schwarze Schwedin, Sofia Jernberg heißt sie, (Sie singt, performed und improvisiert), macht noch lange keine Future, so wie eine Schwalbe noch lange keine Sommer macht.

 

Framing und Genderideologie

Und an dieser Stelle kommt die Ideologie ins Spiel. Warum diese Anpassung an den Mainstream von BLM, Freitags-Hüpfer, Apokalyptiker des Weltuntergangs bis hin zu den diversen Geschlechtern? Die Gendersprache scheint leider auch beim EM-Magazin angekommen zu sein. (Eine angenehme Ausnahme bildet da noch der Beitrag von Ellen Freyberg: Fiktionen und Identitäten.)

Für einen Wort- und Sprachliebhaber ist das eine Zumutung. Noch reduziert sich das Geschreibsel auf Doppelpunkte und Wortungeheuer wie Komponist:innenpersönlichkeit. Vor allem im Beitrag von Egbert Hiller Shaping the Future wimmelt es nur so von diesen Missbräuchen und, ehrlich gesagt, das Lesen wird dadurch nicht gerade bereichert. Im Gegenteil. Keine Lust auf Text bei dieser Sprachverhunzung. Glücklicherweise ist der englische Text noch normal und man kann getrost auf diesen ausweichen.

Auch der Gendersprech – sollte man endlich einmal konstatieren – ist Teil der maschinengetriebenen Machtübernahme des digital-finanziellen Komplexes. Nicht um Geschlechtergerechtigkeit geht es bei seiner Verwendung, sondern um die Neutralisierung der Geschlechter und ihre Anpassung an eine digitalisierte entmenschlichte Algorithmen-Sprache. Man möge sich nur einmal die Pamphlete ihrer sogenannten wissenschaftlichen Protagonisten anschauen.

 

Tanzen, springen, singen und klingen

Die Echographien des Mark Andre möchte ich aussparen, da er sich auf die akustische Gestaltung von Kirchenräumen konzentriert, auf der Suche nach sich selbst und der göttlichen Vorsehung. Sehr anerkennenswert, aber in diesem Rahmen nicht relevant.

Aber der Kommentar von Stefan Fricke zu tanzen und springen … von Georges Aperghis und Arnulf Herrmann. Er handelt von zwei Kompositionen, Hopse von Aperghis und Hard boiled Variations von Herrmann, die auf den Wittener Tage im Mai dieses Jahres zur Uraufführung kommen sollen. Ziemlich sinnfrei? Nein. Denn Fricke gelingt es geschickt, mit zwei Zitaten die Allianz von Musik und Tanz und damit die beiden Werke gesellschaftlich umzudeuten und sie weitestgehend in einen aktuellen Kontext zu setzen. Einmal mit der Aussage der Anarchistin und Frauenrechtlerin Emma Goldberg (1869-1940): „Wenn ich nicht tanzen kann, ist das nicht meine Revolution“ und mit der Ergänzung Kurt Tucholskys (1890-1935): „Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt.“

„Auf dem Weg zur Neuen Musik, das sei ergänzt“, kommentiert Fricke die beiden Zitate abschließend.

Schön wäre das alles. Tatsächlich ist eine Revolution ohne Tanz wertlos. Alle Diktaturen und totalitären Regime sorgen mit Nachdruck dafür, dass der Spaß am Leben, die Lust am Feiern sowie das Tanzen verboten, verpönt und verteufelt werden. Kontrolle allen Lebens ist oberstes Gebot. Wir erleben es seit nun zwei Jahren am eigenen Leib. Gebongt, und Respekt an beide Komponisten, das Tanzen und Springen, das Singen und Klingen in ihren Werken zu thematisieren. Allerdings müsste Tucholskys Zitat heute folgendermaßen lauten: Wegen andauernder Corona-Einschränkungen und Verfassungsbrüchen ist die Neue Musik abgetaucht und steckt ihren Kopf in den Sand: Nichts hören, nichts sehen und vor allem, Maul halten. Ist das der neue Weg der Neuen Musik?

 

Happy New Ears?

Gutes Beispiel dafür ist die Ansage zu den Happy New Ears 2022, wo im Rahmen von ICCS curtain_call, (des International Composer und Conductor Seminar, gefördert von der Aventis Foundation) die Lucerne Festival Academy unter der Leitung von Wolfgang Rihm zu Gast sein soll und viele junge Komponisten ihre neuesten Kompositionen zum Besten geben dürfen, darunter der junge Pole Rafat Ryterski (*1992) mit Genderfuck, wobei man hofft, dass auch drin ist, was versprochen wird, oder Monika Szpyrka (*1993), die musikalisch den Kampf gegen Konsumismus und Wegwerfmentalität angesagt hat. Alles wunderbar. Aber wer ist der Adressat in einer heillos gespaltenen Gesellschaft?

Natürlich darf „afrodiasporische Musik“ nicht fehlen. Genannt ist die Kubanerin Tania León (*1943), die angeblich mit Ritmicas und Guaguancó an die Sklavenmusik der Karibik erinnern möchte. Sie selbst aber lebt seit Jahrzehnten in den USA, lehnt jegliche Zuschreibung ihrer Musik an ethnische Wurzeln ab und beschreibt „die Einflüsse ihrer Kompositionen, die sowohl ihre Persönlichkeit als auch ihre Musik geprägt haben, als vielfältig“. Na ja. Aufgemotzt heißt nicht unbedingt, dem BLM-Narrativ gerecht zu werden. Wir werden sehen, wenn überhaupt, und vor wem die Musik der „Öffentlichkeit“ präsentiert werden wird. Apartheid und afrodiasporische Musik im freien Westen, im besten Deutschland, das es je gegeben hat? Was hätte wohl der Wortschöpfer dieser seit 1993 existenten Reihe, John Cage, dazu gesagt. Konzert-Daten gibt es auch hier bisher keine.

 

Traum oder Trauma? Richtig oder falsch?

Johannes Kalitzke und Bernhard Gander seien finaliter noch zu erwähnen. Ersterer hat eine Oper zu Kapitän Nemos Bibliothek von Per Olov Enquist für die Schwetzinger Festspiele geschrieben. Es geht darin um zwei Jungen, die als Neugeborene vertauscht worden sind und deren Tragödie darin kumuliert, dass ihre Familien im Dorf zusammenleben und täglich die Tragödie ihres Lebens sichtbar ist, da beide ihren falschen Müttern aufs Haar gleichen.

Kalitzke, eher bekannt als ausgezeichneter Dirigent, schreibt selbst dazu, dass die Ambivalenz und Vielschichtigkeit seines Werks darin bestehe, den „permanenten Wechsel zwischen Realität und Traumwelt erfahrbar zu machen“. Auch hier bemerkenswert die Wortwahl. Eine Tragödie zwischen Traum und Realität? Wäre da nicht besser von Trauma und Erschütterung zu sprechen und das musikalisch und dramatisch zum Ausdruck zu bringen? Leider wird nicht über Aufführung und Erfolg dieser Oper geschrieben.

Bernhard Gander, der volltätowierte unangepasste Österreicher, hat sich während der Corona-Krise an eine Musiktheaterproduktion getraut, gemeinsam mit der Deutschen Oper Berlin und dem Ensemble Modern. Lieder der Vertreibung und Nimmerwiederkehr nennt er sein Werk und verweist dabei auf die russisch-ukrainischen Konflikte als Ausgangspunkt seines Librettos. Sehr interessant sein Eingeständnis, die allgemeinen Verhältnisse seien zu komplex, um überhaupt eine „richtige Entscheidung“ treffen zu können.

Wie das musikalisch und bühnentechnisch umgesetzt werden soll, bleibt allerdings unklar. Auch hier kein Datum der Aufführung.

 


Ein freundlicher Appell eines Verzweifelten an das EM:


Bitte bleiben Sie sich der Freiheit und Grenzenlosigkeit der Musik bewusst. Kunst darf Grenzen sprengen, sie soll und muss sogar verschwörerisch, quer und auch schwurbelig sein, nur so bleibt sie frisch, kraftvoll, unangepasst, futuristisch, ideenreich, fantastisch und vor allem utopisch.

Was jetzt allerdings auffällt ist aus meiner Sicht das genaue Gegenteil. Wie das berühmte Bild der drei Affen, die sich Augen, Ohren und Maul zuhalten, kommt dem kritischen Journalisten der aktuelle Zustand auch des EM vor. Anpassung an den „Mainstream“, der nicht von unten wächst, sondern von Oben gewaltsam diktiert wird, scheint den musikalischen Weg zu pflastern. (Ich verweise an dieser Stelle auf das Eingangszitat, aber auch auf die täglich erfahrbaren übergriffigen Kontrollen der Geldgeber und politisch Mächtigen, die keine rote Linie mehr zu kennen scheinen.)

 

Außen und Innen

Ja die materiellen und finanziellen Abhängigkeiten mögen immer offensichtlicher mit fatalen Folgen für die Kunst und Musik ans Tageslicht treten. Wie aber wirkt das auf die inneren Befindlichkeiten, die Seelenzustände der Komponisten, Instrumentalisten und künstlerischen Entertainer?  Machen Sie sich doch nichts vor. Die Schlinge um den Hals wird enger und umso enger, je mehr man glaubt, durch die berüchtigte Affenhaltung ungeschoren davonkommen zu können. Das wird nicht geschehen. Die Musik wird keinerlei Revolution machen, wie sarkastischer Weise Tucholsky in den 1930er Jahren konstatierte, bevor er in den Freitod ging, aber sie darf sich auch nicht zum Steigbügelhalter zerstörerischer und menschenverachtender Kräfte degradieren.

Wie können Sie eine heile Welt vorgaukeln, wo vor den Türen die Gesellschaft zusammenbricht, wo Gesetzlosigkeit, Hochstapelei, Lügen und Kriminalität zum allgemeinen Selbstverständnis unseres „Regimes“ (O-Ton Scholz in der Neujahrsansprache zu 2022) geworden sind, wo Korruption alle gesellschaftlichen Bereiche überwölbt und die Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung von Kritikern, wilde Zensur und die Zerstörung von Existenzen zum täglichen Bild unserer BRD verkommen sind?

 

Wer verdient die Freiheit?

Vor fast zwei Jahren habe ich zu einem spontanen Flashmob aufgerufen, zu Aktionen deutschland- oder auch europaweit, die deutlich machen sollten, dass Kunst und Musik für alle da sind und sich nicht in die Isolation und Schockzustände zwängen lassen dürfen. Was ist seither geschehen?

Die Künstler und Künstlerinnen, die um ihre und unsere Freiheit kämpfen sind leider in der Minderheit geblieben, werden schamlos verfolgt, gemobbt, bedroht und ihrer Existenz beraubt. Sie müssten mehr sein und vor allem von den etablierten, gesponsorten und gehätschelten Künstlern nebst ihren Institutionen unterstützt werden, was bisher leider ausgeblieben ist.

 

Individuell und /oder kollektiv

Auch wenn ein großer Teil der Künstler sehr individualistisch denkt und nur ihrer Bestimmung verantwortlich zu sein scheint, so sind die Kunstschaffenden doch in höchstem Maße in die Gesellschaft involviert, sei es durch Konzerte bzw. öffentliche Auftritte, sei es aber auch durch die Alimentierung staatlicher und privater Förderung. Dieses scheinbar unlösbare Dilemma darf aber nicht zum Hofschranzentum verführen (vor allem die staatlich verkommenen Komiker und Zeitdiebe in den öffentlich-rechtlichen Medien geben dafür ein erschreckendes Beispiel ab), aber auch nicht zum Stillhalten und Abwarten. Psychologisch ist das die Fortsetzung des Schock- und Angsterlebsnisses der ersten Phase dieser sog. Pandemie, wo alle noch glaubten, ein Killervirus würde der Menschheit den Garaus machen. Verständlich durchaus.

 

Der Kelch geht nicht vorüber

Jetzt haben sich die Zeiten grundlegend geändert und immer deutlicher wird, dass es um die Zerstörung der bestehenden freiheitlichen Ordnung und die Errichtung eines autoritären Überwachungsstaates mit gewaltsamen Mitteln (wozu auch der Gendersprech gehört) geht, wovon die Kunst und Musik nicht verschont werden wird. Dessen sollten Sie sich bewusst sein und ihr kompositorisches und musikalisches Handeln darauf einstellen. Wie, das sei Ihnen überlassen. Aber zu hoffen, der Kelch ginge an ihnen vorüber, und ein Weiter so wäre machbar, wie es zurzeit ausschaut, das führt allenfalls zum klassischen Trugschluss.

 

Wo ist die rote Linie?

Bis hierher sind sie bereits gegangen, das heißt Ausschluss von ca. 30-Prozent der Hörer und Liebhaber des EM und damit der Neuen Musik aus den öffentlichen Veranstaltungen; auch gewaltsame Isolation, Selbst- und Fremdkontrolle des Privaten, Erschwerung von Kommunikation und gegenseitigem direktem Austausch – es sei denn, man gebe der Digitalität den Vorzug und man liebt es, ständig Maske zu tragen.

Wenn man erleben muss, dass selbst langjährige gute Bekanntschaften und journalistischer Austausch gekappt werden, indem man Interviews ablehnt, weil man zu den Ungeimpften gehört, Einladungen cancelt wegen Impfkritik und überhaupt kritischer Einstellung zur Corona-Politik, oder gar ein unbegrenztes Hausverbot ausspricht, weil die Maske nicht korrekt sitzt, dann kommen schon Vergleiche mit unseligen Zeiten auf, die wir hoffentlich alle nicht mehr wollen. Ausgerechnet gehören zu dieser Spezies vor allem die Vertreter und Organisatoren der Neuen Musik – einer Musik, die bekanntlich von Anfang an in die Kiste übelster medizinischer Beleidigungen gesteckt wurde, Stichwort: A. Schoenberg und die Dodekaphonie. Schändlich, aber leider real und am eigenen Leib erfahren.

 

Zwei Jahre und immer schlimmer

Ich persönlich habe in diesen surreal abgedrifteten Zeiten meine journalistische Berichterstattung von Konzerten, Opern und sonstigen theatralen Veranstaltungen auf Eis gelegt, weil es mich als gesunder Mensch mit gesundem Menschenverstand einfach anekelt, mit viren- und keimbelasteter Maske während eines Konzerts herumlaufen, verordneten Abstand und Wegerichtung halten, Konversation meiden, ständigen kindisch-blöden Ansagen aus irgendwelchen Lautsprechern ausgesetzt sein zu müssen ( in persönlicher Erinnerung an die kommunistischen Staaten zu Zeiten Enver Hodschas, Titos und Janos Kádárs, wo man auf Schritt und Tritt zu staatskonformem Verhalten angehalten wurde). Ein Katakomben-Klima mit Zombies ist das. Einfach nur gespenstig und die Ästhetik mit Füßen traktierend. 

Auch nervt es, den ständigen Wechsel von Masken auf der Bühne miterleben zu müssen, ein Schwachsinn ohne Gleichen, dazu noch ein Ausbund an Dreckschleuderei. Auch lässt die natürliche Innovation der Protagonisten und ihre Liebe, ja Liebe zur Musik augenscheinlich mehr und mehr unter den Protagonisten zu wünschen übrig. Viele Instrumentalisten, Dirigenten und Intendanten machen mir den Eindruck, überfordert oder zumindest unlustig, gar unwillig zu sein. 

Neue Musik, angepasst oder stachelig

Man glaubt es kaum, wie weit wir als aufgeklärte Nation ins „Mittelalter“ abgerutscht sind und die kleine Auswahl der Jasager in den Konzert- und Opernhäusern (zurzeit besetzen sie weniger als ein Drittel der Sitzplätze, die Opernleitung Frankfurt beispielsweise muss noch den unseligen Capo spielen, und eine qualifizierte Auswahl der Besucher treffen. Schauerlich.) diesen offensichtlichen Blödsinn mit Verve selbst noch auf die Spitze treiben, indem sie untereinander die besten Blockwarte abgeben. Nein, es treibt mir den Wutschweiß auf die Stirn. Und die Bühnenleistung erschreckt mehr als dass sie aufrichtet und Zuversicht verbreitet. 

Wann und wie laut platzt die Blase?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie man unter diesen Bedingungen überhaupt noch Freude an der Musik oder am Opern- und Theatergeschehen haben kann. Ich auf jeden Fall gehöre nicht dazu und weigere mich auch, diese unseligen Gruseligkeiten im Kulturbetrieb weiterhin mitzumachen.

Möglicherweise funktioniert ja ihre Blase. Aber eine Blase ist nun mal eine Blase, die bei zu großem Druck unweigerlich platzt. Bei dem einen früher, bei dem anderen später, möglicherweise auch nicht, aber das wäre fatal und würde weiß Gott nichts Gutes bedeuten.  

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