Montag, 21. Februar 2022

 Das Jahr 2540 im Jahr 2022

Erstausgabe 1932

Die geplante Premiere Schöne Neue Welt am 06.03.22 im Kleinen Haus Wiesbaden lässt nur noch mit dem Kopf schütteln und wirft zugleich viele Fragen auf. Da wird eine erschreckende Dystopie, 1932 von Aldous Huxley veröffentlicht und im selben Jahr ins Deutsche übersetzt, auf die Bühne gebracht, wo sie doch tatsächlich bereits realiter stattfindet. Individueller Freiheitsentzug, Ablehnung der Selbstbestimmung, allumfassende Kontrolle und permanente Überwachung werden im Buch schonungslos thematisiert. Aber wo ist die Grenze zwischen Dystopie, Satire, Science-Fiction und gesellschaftspolitischer Realität?

Wie stellte so korrekt wie erschreckend der Schauspieler Gerd Buurmann  (*1971) jüngst (am 19.02.) in Indubio mit Burghardt Müller klar:

 „Wir sagen im Theater nicht mehr: Hereinspaziert, sondern: Kann ich ihre Papiere und Ihren Impfausweis sehen.“   

Das ist leider Fakt in einer Gesellschaft, die sich zum Handlanger einer Apartheitspolitik (und das meine ich auch so) gemacht hat und sich nicht zu blöde ist, auch noch staatliche Polizeiaufgaben zu übernehmen, und das oftmals besser, als die Ordnungsämter selber.

Den Vogel abgeschossen hat meines Erachtens die mutige aber dennoch hilflose Programmaufnahme von Brave New World, deren Inszenierung die Absurdität des gesellschaftlichen Zustandes dieser Republik auf eine surreale gruselige Spitze treibt.


Worum geht es in Huxleys Buch?

Wir befinden uns darin in einem "Weltstaat", in dem eine winzige Kaste, ihr Chef ist Mustapha Mond, über das Wohlbefinden der Menschheit entscheidet. Das heißt, diese selbsternannten Göttergestalten bestimmen über das Glück eines jeden einzelnen Menschen. Nach dem Motto: „Jeder gehört jedem“ und „Jeder ist glücklich“ – zur Not hilft die Glücksdroge Soma weiter – wird das stabile Wohlbefinden dieser Weltgesellschaft politisch durchgesetzt.

Nebenbei bemerkt, enthält allein dieser Teil des Buches große Anteile aus dem Great Reset des WEF Chefs Klaus Schwab. Hat er womöglich bei Aldous Huxley abgeschrieben?

Foto: litopian.net

Kommen wir auf die Kultur in diesem Buch zu sprechen.

Das Freizeitangebot der Glücklichen beschränkt sich auf "Laubsägearbeiten" und "Briefmarkensammeln". Beides beliebte Freizeitbeschäftigung in Psychiatrien und leider auch Altersheimen.

Drei Außenseiter bestimmen den kulturellen Fortgang des Romans. Helmholtz Watson, Bernard Marx und Lenina Crowne; wer denkt da nicht an bestimmte weltbewegende historische Personen. Sie wollen als kritische Zeitgenossen das Reservat der Wilden in New Mexico besuchen. Dort, im Dorf Malpais (übersetzt: Schlechtes Land) erleben sie die Rückständigkeit der alten Kultur, lernen den intelligenten John Savage und seine Mutter kennen, die in dieser Community diskriminiert werden und sorgen dafür, dass John mit seiner Mutter das Dorf verlassen dürfen.

John hat Shakespeare gelesen und ist versiert in allen Kulturtechniken. Beim Betreten der Glückskultur der neuen Zivilisation (heute würde man von neuer Normalität sprechen) erlebt er die kulturlose Massengesellschaft, die komatöse Glückseligkeit, die ihn zum Wahnsinn treibt. John versucht, die Menschen aufzuklären, fordert die Sinngebung durch Gott, die Leidenschaft und nicht zuletzt das Leiden als persönliche Herausforderung mit Erkenntnisqualität. Er scheitert, wählt einen Leuchtturm als Eremitage, geißelt sich und erhängt sich schließlich. Sein Freitod ist sinnbildlich für die selbstverschuldete Unmündigkeit der Brave New World.

 

Kultur produziert geistlose Klone

Die neue Welt ist eine Menschenfabrik, in der die Staatsräson als Kollektivität, Identität und Stabilität zusammengefasst werden kann. Geschichte, so ihr Tenor, „ist Humbug“. Wir Menschen lernen eh nicht. Der Selbstmord des „Wilden“, des wahren Zivilisten und Aufklärers, steht für die Unentrinnbarkeit des Unheils. Seine im Leuchtturm hängende Leiche schwankt von Nord, Nordost, Ost, Südost, Südwest und zurück und symbolisiert damit alle Weltbereiche, die Globalität der Menschheits-Tragödie. Damit bekommt die Dystopie auch einen schwarzen satirischen Charakterzug verliehen.


Warum Satire?

Huxley selbst stand seinem Roman kritisch gegenüber und bemängelte Ende der 1940er Jahre die Alternativlosigkeit des Aufklärers John aus dem Reservat. Ihm habe er nur zwei Lebensweisen zur Wahl gestellt, von denen keine für ihn akzeptabel gewesen sei. Dezentrale ökonomische und gesellschaftspolitische Alternativen habe er nicht thematisiert. Auch sei das Problem des alles vernichtenden Atomkrieges und vor allem das von „supranationalen Gebilden“, wo eine allmächtige Clique von Politbossen mit ihren Helfershelfern eine Bevölkerung von Sklaven kontrolliert und überwacht, von ihm zu wenig in Betracht gezogen worden. Auch wie globalisierte Komplexe durch Propaganda, Konditionierung, Konsumversprechen, Glückdrogen und sexuelle Freizügigkeit sowie Gesundheitsversprechen bis zum ewigen Leben die Menschheit dahingehend verführen, ihr Sklavendasein lieben zu lernen. Wie vorausschauend aus heutiger Sicht.

Vergleicht man Schöne Neue Welt mit dem fast zwanzig Jahre später erscheinenden Orwellschen Roman 1984, fällt sofort ins Auge, dass Huxleys Herrschaft nicht auf Gewalt und totalitäre Einmischung beruht, sondern auf Bedürfnisbefriedigung. So meinte er, Verführungen seien effektiver als Verhaftungen. Huxleys technologische Diktatur ist nicht weniger totalitär als die Orwells von 1984, dafür aber in der Überzeichnung der amerikanischen Konsumgesellschaft umso beeindruckender und psychologisch überzeugender. Insofern ist sein Roman weniger eine Dystopie, sondern viel eher eine Satire auf die US-amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.

Tatsächlich wählt John, der Wilde und Aufgeklärte, lieber den Freitod als sich für eine der beiden Zivilisationen zu entscheiden. Es gibt für ihn kein rechtes Leben als Wilder, gemeint als naturbezogener Mensch, aber auch keines in der neuen Zivilisation, verstanden als technokratische Glückseligkeit unterstützt von Konsum, Drogen und freiem Sex.  

Heute sprechen wir von alter und neuer Normalität, die zurzeit ebenfalls keinen dritten Weg zulässt, aber mit gewaltigen Schritten ein Weltregime vorgaukelt, eine Art Suprautilitarismus, in der das falsche Glück (Schwab: „Wir besitzen nichts und sind glücklich“) zum einzigen Sinn des Lebens stilisiert wird.

 

Schöne Neue Welt 2022 auf der Theaterbühne

Jetzt befinden wir uns global seit gut zwei Jahren in einer Situation der permanenten Lüge und Angstmacherei. Die vier apokalyptischen Reiter, verkörpert durch den digital finanziellen Komplex und ihren Speichelleckern weltweit, drohen mit der Pest, dem Klimadesaster, dem Krieg und dem Wirtschaftskollaps und nehmen den Menschen dabei die Luft zu Atmen und vor allem die Fähigkeit zu handeln und souverän und selbstbestimmt die Probleme anzugehen.

Man hetzt die Menschen aufeinander, beleidigt und zerstört Existenzen, man manipuliert die Realität, setzt Rechtssysteme und Verfassungen außer Kraft, macht aus Gesunden Kranke, gängelt und spaltet durch nutzlose und gesundheitsschädliche Maskeraden, die zudem die Entwicklung der Kinder und Jugendliche extrem behindern, man testet mit aussagelosen und  fehlerhaften PCR- und Schnell-Tests, man zwingt Gesunde in Quarantäne und macht Ungeimpfte, gesunde Menschen über Lockdowns und Zugangsbeschränkungen zu Aussätzigen wie im Mittelalter. Im Namen des Gesundheitsschutzes werden viele Alte und vulnerable Menschen in noch größere Not und Isolation gezwungen und durch meist unfreiwillige Spritzungen eines Krebs-Medikaments (O-Ton: Ugur Şahib von BioNTech), das lediglich notzugelassen ist und nachweislich mehr Schaden verursacht als Nutzen, ihrer Selbstbestimmung und ihres Rechts auf körperliche Unversehrtheit beraubt. Ganz zu schweigen von der Missachtung des Nürnberger Kodex´ von 1947, der in Anbetracht der fürchterlichen medizinischen Experimente der Nazi Schergen an Unschuldigen und staatlichen Sklaven, jegliche Form von medizinischem Zwang grundsätzlich und ein für alle Mal untersagt. Man schaue hierzu einfach auch mal in die Geschichtsschreibung des RKI in Zeiten des Nationalsozialismus und seine Haltung dazu. Zitat des RKI: 

„Für das Übertreten humanistischer Grundsätze, für die Verletzung der Würde und körperliche Unversehrtheit, gibt es zu keiner Zeit eine Rechtfertigung, auch wenn die Mehrheit ein solches Verhalten toleriert oder gar fordert.“

Foto: greelane.com

Alles vergessen?

Wie weit muss man noch gehen, diesen unwürdigen Zustand zu unterstützen. Wer solch einen Roman auf die Bühne bringt darf nicht gleichzeitig ein Millionenpublikum ausschließen und sich zum Büttel staatlicher Unterdrückung machen. Nichts anderes ist die Kontrolle und Überwachung an den Eingängen der Kultur- und Konzerthäuser.

An dieser Stelle kann man nur fordern, lasst alle Menschen in die Kulturhäuser. Ruft wieder: Hereinspaziert!! Kunst, Musik und Theater dürfen nicht zu einer elitären, menschenverachtenden und geschlossenen Einrichtung verkommen. Jede Form von Ausschluss und Kontrolle, jede Form von Überwachung und  Denunziation bedeutet einen Sargnagel mehr gegen Demokratie, Selbstbestimmung und Souveränität. Schon vor hundert Jahren war dies zumindest unter Intellektuellen sattsam bekannt und wurde aufs heftigste diskutiert. Heute scheint es leider zu einer Selbstverständlichkeit zu mutieren.


Zurück zu Huxleys "Groteskes Ende"

John, der intellektuelle Wilde, konnte in den falschen Kulturen kein richtiges Leben finden und musste deshalb ausscheiden. Huxley spricht von einem dritten Weg, den er in den 1930er Jahre noch nicht gesehen habe. Dabei erwähnt er die mögliche Selbsthilfe in dem Reservat der Wilden, also zurück zur Natur. Er nennt aber auch Piotre A. Kropotkin, den damals sehr bekannten russischen Anarchisten, der für eine herrschaftsfreie und selbst bestimmte Gesellschaft warb.

Und wir heute? Wo ist unser dritter Weg? Wollen wir uns zu glücklichen Sklaven machen lassen? Wollen wir auf der Bühne Freiheit und Aufklärung spielen, wo um uns herum nichts von all dem mehr existiert? Seit wann hat die Kunst die Aufgabe, Menschen auszusortieren, Pässe zu kontrollieren, Privatangelegenheiten zur öffentlichen Sache zu machen und Polizeiaufgaben zu übernehmen. Das gibt es nur in Diktaturen und totalitären Staaten. Bei uns in der BRD leider auch und es wird mittlerweile sogar zur neuen Normalität.

 

Wie heißt es so klar und eindeutig, wenn man sich als gesunder und nicht geimpfter Journalist anmelden möchte. 2G-plus, ansonsten keine Zugangsberechtigung. Aktueller Textauszug des Staatstheaters Wiesbaden (21.02.22):

Für alle Vorstellungen gilt weiterhin die aktuelle 2G+ Regelung:


  • Zutritt haben nur geimpfte oder genesene Personen, jeweils mit tagesaktuellem Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden).
  • Wer eine »Booster Impfung« erhalten hat und nachweisen kann, benötigt keinen tagesaktuellen Test.
  • Bitte bringen Sie zum Nachweis geeignete Unterlagen (z.B. digitaler Impfnachweis, Impfausweis, Nachweis zum »genesen« Status, Antigen-Testnachweis nicht älter als 24 Stunden, etc.) sowie einen Identitätsnachweis (Personalausweis, Führerschein etc.) mit, und kalkulieren Sie mehr Zeit als gewohnt beim Einlass ein.
  • Personen, die weder genesen noch geimpft sind, erhalten keinen Einlass.

 

Wie weit wollen wir noch gehen? Schöne neue Welt, Brave New World – Keine Dystopie, sondern Normalität bereits im Jahr 2022.

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