The Art of the Duo im Rahmen von JAZZnights 2022/2023, Alte Oper Frankfurt, 16.02.2023

Nils Wülker und Arne Jansen (Foto: Karsten Jahnke/Pressematerial)
Ungewöhnliche
Duo-Besetzungen
Es war ein Doppelkonzert mit zwei ungewöhnlichen Duo-Besetzungen und einer Quartettzugabe nach fast drei Stunden. Zunächst Julia Hülsmann am Klavier und Christopher Dell am Vibraphon, zwei Künstler, die seit Jahrzehnten die Jazzszene prägen, und dann Nils Wülker an der Trompete und Arne Jansen mit seinen Gitarren, zwei ECHO-Jazz Preisträger, die ihre neueste Produktion, COVER, und einiges mehr an diesem Abend vorstellten.

Julia Hülsmann und Christopher Dell (Foto: Jazz Bayreuth/Archiv)
Die
leisen Töne bevorzugt
Julia
Hülsmann und Christopher
Dell kommen aus unterschiedlichen Formationen und arbeiten als Duo erst
seit wenigen Jahren zusammen. Das aber mit großem Erfolg. Ihr Sound changiert
zwischen Modern Jazz, Rock und Pop, hat aber immer einen groovigen und
lyrischen Touch. Sie lieben mehr die leisen Töne als den vorwärtstreibenden
Rhythmus. Ergänzen sich aber vor allem im Klang und der melodischen und
harmonischen Ausarbeitung ihrer meist selbst komponierten Stücke.
So boten sie gleich zu Anfang Empty Hands, ein Stück mit akkordischen Clustern und virtuosem Vibraphonsspiel im fünfviertel Takt, mit langen ostinaten Passagen der Pianistin und gekonntem Solospiel mit vier Schlägeln. Es folgten ähnliche Stücke wie Jay Jay mit Boogie-Rhythmen, ein Minimal Waltz im Wechsel von Dreiviertel-, Vierviertel- und Sechsachtel-Takten sowie ein Arrangement des bekannten Beatle Songs Can´t Buy Me Love von 1964. Sehr spannend geriet die musikalische Trilogie des Komponisten Dell, der, nebenbei bemerkt, seine Karriere in Darmstadt startete und heute Leiter des Instituts für Improvisationskunst in Berlin ist, wo die Rollen der beiden deutlich hervortraten. Sie liebt den akkordischen Klang, mal perkussiv, mal gesanglich durchmischt, er dagegen bevorzugt die improvisatorische Virtuosität, die er mit viel körperlicher Bewegung und mit großem Pathos auf die Bühne bringt. Beide ergänzen sich in dieser Rolle prächtig. Nichts scheint dem Zufall überlassen, die Struktur ist immer stimmig und das harmonische Zusammenspiel ohne Makel. Dennoch, oft fühlt man sich in eine Jazz Bar versetzt. Es fehlt nur noch das Bier und Knabberkram.

Nils Wülker und Arne Jansen (Foto: Karsten Jahnke/Pressematerial)
Improvisationslust
und Kreativität
Dann Nils
Wülker und Arne Jansen. Ein exzeptionelles Duo. Beide kennen sich
seit zwei Jahrzehnten und sprudeln förmlich vor Improvisationslust und Kreativität.
Sie präsentierten einige Stücke aus ihrem ersten Duo-Album, CLOSER,
und noch vieles mehr. Auch sie sind Arrangeure und Komponisten ihrer Werke und
decken damit ein großes Spektrum der Gefühle und Stimmungen ab: Sanft und hart,
melodisch und abstrakt, kraftstrotzend und weichgespült, alles konzentriert auf
wenige Takte. Dazu ein Hilfsarsenal der Computertechnik wie Sequenzer und Synthesizer,
mit denen sie Loop-, Hall- und Echoeffekte, aber auch diverse Geräusche
erzeugten. Nils Wülker spielte auf einer Trompete und einem Flügelhorn und das
mit sehr individuellem rauchigem Timbre, während Arne Jansen sowohl auf einer
E-Gitarre als auch auf einer Liedgitarre agierte. Die Instrumente waren aber
weitestgehend elektronisch gesteuert, verfremdet und verzerrt, dialogisierten
aber perfekt miteinander.
Sie spielten Versionen ihrer liebsten Pop- und Rocksongs z. B. von Ry X (YA YA YA) oder Nine Inch Nails (Hurt), aber auch Eigenkompositionen wie Beyond the Bavarian Sky, Deep Dive oder auch He who counts the Stars. Immer sind ihre Arrangements bekannten und Ihnen nahestehenden Musikern gewidmet, wie beispielsweise Johnny Cash in Hurt, oder den Jazzgrößen Pat Metheny und Charly Hadens in Beyond the Bavarian Sky. Ganz besonders hervorzuheben aber ist Nika´s Dream, ein seiner Tochter gewidmetes lyrisches Poem, von großer Liebe und Empathie beseelt.

Julia Hülsmann und Christopher Dell (Foto: Walter Schnabel)
Glanzvolle
Duos, glanzloses Quartett
Überhaupt
glänzt dieses Duo durch einen eigenwilligen sehr speziellen Sound, durch eine Musik
mit Herz, voller Erzählungen, Querverweisen und Verbeugungen vor ihren Vorbildern.
Ihr Mix aus computergenerierter Klangerzeugung und natürlichem Ton gehört zum Unikat
in der Musik- und Jazzszene. Closer ist im wahrsten Sinne ihr Programm. Ihre
Performance war ein echtes Erlebnis an diesem Abend.
Zum Abschluss traten alle vier Künstler noch einmal auf die Bühne und versuchten sich in einem Quartett, das, leider, leider, gründlich misslang. Warum? Ganz einfach. Die Vier sind sehr konzentriert auf ihre teils durchkomponierten, immer aber sehr durchstrukturierten Kompositionen. Spontane Improvisationen liegen ihnen nicht. Man hat sich deshalb wohl auf einige Akkordkombinationen geeinigt, musste aber sehr bald aufgeben. Das aber soll den Glanz des Abends nicht trüben. Er hat sich gelohnt.
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