Mittwoch, 26. April 2023

 Mainly Mozart vom 22.04. bis zum 30.04.2023

Mozart Meets Jazz, hr-Bigband unter der Leitung von Rainer Tempel arrangiert Werke von Wolfgang Amadeus Mozart mit Textrezitation von Christoph Pütthoff, Alte Oper Frankfurt, 25.04.2023 

hr-Bigband, Mitte stehend: Rainer Tempel, rechts auf Tisch sitzend: Christoph Pütthoff
Foto: Alte Oper Frankfurt/Salar Baygan

Mozart und Jazz passen zusammen

Mit dem Festival Mainly Mozart feiert Frankfurt den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart eine Woche lang mit einem umfangreichen Programmangebot aus unterschiedlichsten Perspektiven in unterschiedlichen Spielstätten. Mozart Meets Jazz ist eines davon.

Die hr-Bigband hat sich der Frage angenommen, ob Jazz und Mozart zusammenpassen. Natürlich geht das. Man erinnere sich nur an den 2019 verstorbenen Jacques Loussier, der es genial verstand, die Klassik sowie den Barock auf dem Piano zu verjazzen, oder auch an George Gershwin und nicht zuletzt auch an Leonard Bernstein, die Klassik und Jazz genial vereinten. Dennoch, der Versuch hat sich gelohnt. Sieben sehr bekannte Stücke aus dem umfangreichen Oeuvre Mozart hatte sich die Bigband ausgesucht, hervorragend arrangiert übrigens von ihrem musikalischen Leiter Rainer Tempel (*1971), und das Ganze vom Frankfurter Schauspieler, Hörspiel und Synchronsprecher, Christoph Pütthoff (*1980), durch gewagte Einlagen und Vergleiche kommentieren, oder besser, rezitieren lassen.

 

Mozart, Parker und Mingus, drei Exzentriker und Borderliner

Pütthoff verglich Mozart mit den beiden Jazzlegenden Charlie „Bird“ Parker (1920-1955), einem Altsaxophonisten und Komponisten, der übrigens den Bebop-Stil entwickelte, sowie Charles Mingus (1922-1979), einem Kontrabassisten, der einen eigenen Sound kreierte, den Hard Bop gemixt mit Free Jazz, der heute noch seinen Namen trägt (Mingus-Sound). Was die drei Komponisten und Musiker eint, so Pütthoff, sei ihre Exzentrik und Borderline-Haltung zum Leben. Mozart, das Wunderkind seiner Zeit haderte zeitlebens mit seinem Umfeld, scheute keine Konflikte und sprach zudem eine vulgäre Sprache, ganz entgegen der Gepflogenheiten der Aristokratie, die zwar die Nase rümpften ob des ungehobelten Bürschleins, aber dennoch seine Genialität schätzten, der ihr gestelztes Leben bereicherte.

Christoph Pütthoff (Archivbild: Schauspielhaus Bochum)

Ich bin drei

Pütthoff sieht eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen diesem künstlerischen Triumvirat. Dabei rezitiert er Briefe, die Mozart an seinen Vater Leopold (1719-1787) 1777 aus Mannheim und 1787 an Baronin Martha Elisabeth von Waldstätten (1744-1811) schreibt. Dazu ergänzt er Anekdotisches aus dem Leben von Parker und Mingus, und macht die fiktive Biographie des letztgenannten zum Leitfaden seiner Moderation: „Ich bin drei: der kühle Beobachter, das ängstliche Tier, das, um sich zu verteidigen, angreift, und das liebevolle sanfte Wesen, das ausgenutzt wird und dann (auch gegen sich selbst) zum Berserker wird.“  Ein hübscher Gedanke, der allerdings eine Menge psychologischer Fallen barg und etwas artifiziell wirkte, zumal Mozarts Brief-Beiträge kaum ein Viertel der Rezitation ausmachten.

 

Zwischen Barmusik, Bebop und Modern Jazz

Sieben Stücke bot die Bigband aus dem reichhaltigen Werkverzeichnis Mozarts. Darunter die Fantasie in c-Moll (KV 475), aus der Klaviersonate Nr.11 (KV 331) das Rondo alla Turca, aus der Sinfonie Nr. 40 g-Moll (KV 550) das Allegro des Kopfsatzes, aber auch das Menuett aus der Violinsonate e-Moll (KV 304), das Andante aus dem Klavierkonzert A-Dur (KV 488) sowie zum Abschluss, aus dem Requiem (KV 626), der letzten unvollendeten Komposition Mozarts, das Domine Jesu. Nicht zu vergessen die Ouvertüre aus Mozarts Oper Le Nozze di Figaro (KV 492).

Nicht alle Arrangements konnte überzeugen. Dazu gehörte eben die Ouvertüre, die, im Quickstepp-Rhythmus vorgetragen, ein wenig an Walt Disneys Comics oder auch an den rosaroten Panther mit Henry Mancinis Musik erinnerte. Auch die Interpretation aus der Sinfonie Nr. 40 g-Moll mit einem Impro des E-Gitarristen Martin Scales hätte eher in eine Bar gepasst, so smooth kam sie daher. Anders dagegen das Andante des Klavierkonzerts. Hier spielte zunächst der Pianist, Volker Engelberth, die Eingangsthematik des Andante solistisch, bevor – nach einer Zwischenrezitation – das Orchester einstieg. Hier brillierte der Posaunist Günter Bollmann mit feiner Improvisation und das Orchester mit ausgefeilter Chromatik. Einer der Höhepunkte des Konzertabends bzw. Meetings.

Rainer Tempel (Foto: Rainer Tempel)

Hochprofessionelle Spontaneität und Kreativität

Auch das Menuett aus der Violinsonate e-Moll überzeugte durch ein variables barockes Arrangement. Sehr variantenreich und mit choralähnlicher Homophonie orchestriert. Höchst ansprechend. Mutig der Abschluss des Meetings. Das Domine Jesu aus dem summum Opus. Kontrapunktisch arrangiert mit kanonischer Fortspinnung und einer Saxophoneinlage von Heinz-Dieter Sauerborn, die es in sich hatte. Sehr einfühlsam, dem Thema angemessen, und doch eng verflochten mit dem Gestus des Modern-Jazz, ohne den Ernst des Requiems anzutasten. Sehr gelungen möchte man meinen.

Natürlich war eine Zugabe angesagt. Und wie sollte es anders sein. Das Lied war das vulgärste, was Mozart kompositorisch fabrizierte – Der Kanon: Bona Nox! bist a rechta Ox (der Text kann überall nachgelesen werden).

hr-Bigband, Mitte stehend: Rainer Tempel, rechts stehend: Christoph Pütthoff
Foto: Alte Oper Frankfurt/Salar Baygan

Das Meeting bravourös gemeistert

Da feierte sich das Ensemble noch einmal selbst. Trompeten und Posaunen, Saxophone und Klavier, Kontrabass und E-Gitarre durften noch einmal Virtuoses produzieren. Der Swing ließ das Publikum mit den Schultern wippen und mit einem guten Gefühl den Heimweg antreten. Die hr-Bigband hat ihre Vielseitigkeit blendend bestätigt und das „Meeting“ mit Mozart bravourös gemeistert. Auch die Text- und Personenauswahl des Wahl-Frankfurters Christoph Pütthoff trug zumindest tendenziell zur Erheiterung bei, wenngleich Charlie Porter und Charles Mingus etwas konstruierte Charaktere im Geiste Wolfgang Amadeus Mozarts waren. Ob die beiden überhaupt Mozart kannten?

 

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