Pretty Woman – Das Musical, eine Produktion von Limelight Live Entertainment & Stage Entertainment in Zusammenarbeit mit der Alten Oper Frankfurt, Regie und Choreographie: Jerry Mitchell, Alte Oper Frankfurt, 19.12.2025
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| Pretty Woman - Das Musical (Foto: Dominik Flohr) |
Arm trifft reich
Pretty Woman basiert eigentlich auf dem gleichnamigen Film von 1990 (Regie: Garry Marshall) übrigens von großem Erfolg getragen, und erzählt, in Anlehnung an die Musicals My fair Lady von 1956 und der damals sehr beliebten Cinderella Thematik in Film und Musik, das beliebte Aschenputtel Märchen der Gebrüder Grimm:
Arm trifft reich, man kommt zusammen, obwohl gesellschaftliche Hürden dazwischen stehen. Dem Happy End steht nichts im Wege, außer einer spannungsgeladenen Geschichte dazwischen.
| Bühne im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt Foto: H.boscaiolo |
Persönliche Transformation
In Pretty Woman sind es die Prostituierte Vivian Ward und der wohlhabende Geschäftsmann Edward Lewis, die sich zufällig am Hollywood Boulevard, ein Ort der Halbwelt, begegnen. Er sucht sein Hotel, kann es nicht finden, dafür findet er Vivian, die ihm, ein Geschäft witternd, den Weg dorthin zeigt.
Ab jetzt beginnt das Narrativ zweier Menschen aus verschiedenen Welten. Edward engagiert sie für eine Woche als Hostess. Er braucht für seine Geschäfte eine willige, gut aussehende und unkomplizierte Begleiterin.
Wie es das Schicksal vorsieht, verlieben sich beide ineinander und machen jeweils eine persönliche Transformation durch. Edward wandelt sich vom skrupellosen Unternehmer zum Kapitalisten mit Herz, Vivian dagegen von der geschäftstüchtigen Hure zur selbstbewussten bürgerlichen Erfolgsfrau.
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Neue Songs – neues Flair
Die Inszenierung in Frankfurt unter der Regie von Jerry Mitchell hat ihre Uraufführung am 28. Oktober diesen Jahres im Metronom Theater in Oberhausen erlebt, und war gleich von Erfolg gekrönt. Die Musik stammt von Bryan Adams und Jim Vallance, die, entgegen der Filmmusik 24 neue Songs schrieben (21 davon kamen zur Aufführung), und sie zudem ins Deutsche übersetzten. Zurzeit ist die aus Oberhausen identische Truppe von 12 Tänzerinnen und Tänzern sowie fünf Solisten auf Deutschland Tournee und in Frankfurt bis zum 10.01.2026 täglich zu erleben.
Oberflächlich – klischeebeladen – kurzweilig
Sicher ist Pretty Woman nicht vergleichbar mit Cabaret, Moulin Rouge oder Lés Miserables, um nur einige wenige sehr beliebte und bekannte zu nennen, denn es ist zwar professionell gemacht, lebt aber von der Oberfläche, der einfachen Struktur und den doch sehr klischeebeladenen Figuren.
So ist Vivian Ward (glänzend gespielt und gesungen von Shanna Slaap) von großer Emotionalität geprägt, ihr Motto lautet simpel: Pass auf auf dich! Ihre Rolle ist konventionell und ohne Extravaganzen.
Dann Edward Lewis (ebenfalls überzeugend dargestellt vom Ersatzmann der Abendvorstellung, Sascha Luder), der sich vom Saulus zum Paulus wandelt, erst gnadenloser Private Equity Manager, dann verantwortungsbewusster Kapitalist, der die Menschheit mit Kreuzfahrschiffen beglücken möchte. Als scheinbar gefühlloser Mensch, entdeckt er über Vivians Anwesenheit seine menschliche Seite.
Dazu kommen noch einige Protagonisten wie Benedikt Ivo, der gleich drei Rollen in einer Person spielt, mal den Hotelmanager (Mr. Thompson), den Unternehmer (Mr. Hollister) und den skrupellosen Verführer (Happy Man), ein Rollenmix, den er sowohl tänzerisch wie auch sängerisch hervorragend meisterte.
Auch die Freundin von Vivian Kit de Luca, konnte von Sophie Reinicke bestens verkörpert werden. Ihre freche Stimme gab dem Ganzen Bühnengeschehen einen erfrischenden Touch. Nicht zu vergessen Benjamin Plautz als Philipp Stuckey, der Privatanwalt und Vertraute von Edward, der, mit allen üblen Wassern gewaschen, am Schluss den Kürzeren ziehen muss.
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Belebendes Element der Bühnenshow
Die zwölfköpfige Tanzkompanie ist ein absolut belebendes Element in dieser Bühnenshow. Allesamt gute Tänzer und zudem können sie auch gut singen. Bestens ausgebildet und von ausnehmender Strahlkraft, die die fast drei Stunden wie im Fluge vergehen lassen.
| Sascha Luder (Edward), Shanna Slaap (Vivian) Foto: Deutsches Theater München |
Spannungsgeladen – einfallsreich
Bühne (Clara Janssen-Höfelt) und Kostüme (vermutlich Greg Barnes, der das Originaldesign entwarf) sowie die Lichteffekte (Marc Heinz und Jordy Veenstra) und das Sounddesign (Gareth Owen und Ramon van Stee) basieren im Wesentlichen auf der Grundausstattung der Tour und sind lediglich den jeweiligen Gegebenheiten angepasst.
Für Frankfurter Bühnen-Verhältnisse der Alten Oper durchaus angemessen und absolut spannungs- und einfallsreich gestaltet. Ständige Kostümwechsel, mal schrill, mal sexy, mal bürgerlich bieder, mal aristokratisch edel, und permanente, einfach durchzuführende, aber eindrucksvolle Bühnenwechsel zwischen Hollywood Boulevard, Beverly Hill Hotel, Penthouse Suite, oder Rodeo Drive (ein Kaufhaus für Superreiche), erzeugten eine Dramaturgie, die nie irgendwelche Langeweile aufkommen ließ.
Viele Songs, Arien und Sprechszenen
Dazu geschickte Wechsel zwischen Sprache, rezitativischen Einlagen, Arien und Songs, mal vom Tänzer-Chor („Willkommen in Hollywood“, „Das ist unsere Welt“, „Gewinner für immer“ und last but not least „Pretty Woman“ als Schlusschor), mal im Duett (herauszuheben: „Jetzt wird der Heimweg lang“ mit Vivian und Edward) in Gruppen („Rodeo Drive“ mit Kit alias Sophie Reinicke und dem Ensemble, oder: „Gib deinen Traum nicht auf“ mit Happy Man, alias Benedikt Ivo, Kit und Ensemble); und natürlich mit den Hauptprotagonisten Vivian (herausragend ihr Song: „kein Weg zurück“) und Edward (erstmals auffallend seine Tenorstimme in: „Sie hat was Besonderes“)
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt, Schlussapplaus Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Symbolischer Wendepunkt – La Traviata
Natürlich ist niemand von ihnen opern- oder operettenreif, aber das soll auch nicht so sein. Dennoch spielt die Oper einen herausragenden Wendepunkt in diesem Musical.
Edward kleidet die Hostess, seinem Stand angemessen ein (sie trägt ein rotes Ballkleid), ziert sie mit einem Diamantcollier und lädt sie zur Oper ein. Ausgerechnet La Traviata von Giuseppe Verdi sollte es sein, hoch symbolisch, denn Violetta (die Hauptprotagonistin der Oper) steckt in einer ähnlichen Lage wie Vivian:
Sie ist ausgegrenzt von der bürgerlichen Gesellschaft, hat Beziehungen zu reichen Männern und ihr Preis um Anerkennung bedeutet sozialer Verzicht auf ihre eigene Herkunft. Bei La Traviata endet es bekanntlich tragisch mit dem Tode.
„Du und Ich“
In Pretty Woman erlebt man statt dessen einen Stilbruch der besonderen Art. Tatsächlich scheint eine Opernsängerin (ob sie Mitglied der Kompanie ist?) aufzutreten. Sie singt fragmentarisch die Arie Sempre libera der Violetta aus dem 1. Akt der Oper, um dann gemeinsam mit einem Tänzer als Alfredo einen Ausschnitt aus Libiamo ne´lieti calici (lasst uns nippen an freudigen Gläsern) zu trällern, wirklich erstaunlich gut die beiden.
Dazwischen ein Duett: „Du und ich“ mit Edward, Vivian sowie einem Echogesang der Opernsängerin Violetta – ein wirkliches Highlight dieses Musicals.
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Persönliche Transformationen
An dieser Stelle entscheidet sich definitiv die Liebe wie auch die Transformation der beiden. Sie landen in einem riesigen Ehebett und verschwinden in der Dunkelheit der Bühne. Die Transformation nimmt ihren Lauf.
Das windige Geschäft der Finanzhaie platzt, Edward will Kreuzfahrschiffe bauen, statt sie für teuer Geld zu entsorgen. Die Liebe der beiden wandelt sich allerdings zum Märchen (der Ritter auf dem weißen Pferd, der die Schönheit aus dem Burggefängnis rettet), denn ein Happy End scheint in weite Ferne gerückt.
Zufriedenstellendes Abkommen?
Die Woche ist vergangen, das Geld wird der Hostess Vivian ausgezahlt, denn Edward scheint die Freiheit mehr zu bedeuten als die Liebe zu ihr. Sie geht zurück in ihr Milieu, aber mit neuem Mut: sie will studieren und einen bürgerlichen Beruf ergreifen.
Also kein Happy End, sondern eher ein Abkommen, das beide zufriedenstellt.
Natürlich soll das Publikum so nicht entlassen werden. Die Schlusscoda führt alle in Liebe und Freundschaft zusammen und endet mit dem berühmten Song „Pretty Woman, won´t you pardon me …“
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Zurückhaltende Musik
Die live Musik bestand aus einem Mix aus Pop-Rock der 1990er Jahre, Tango, Bossa Nova und viel Ballladen- und Erzählelementen. Zwei Keyboards (Dan Tomkinson und Pascal Kierdorf), Schlagzeug (Miguel Gun), zwei Gitarren (Leonard Kunstmann und Charlie English) und einem E-Bass (Luca Genze) reichten vollkommen aus, um den Großen Saal der Alten Oper klanglich voll abzudecken. Natürlich mit Verstärker und bestens austariertem Ton.
Allerdings war, abgesehen von Pretty Woman, keiner der Songs wirklich ein Ohrwurm. Die beiden Songwriter Bryan Adams und Jim Vallance achteten wohl eher auf die gute Abstimmung zwischen Sängern und Instrumentalmusik. Überhaupt hielten sich die fünf Musiker doch sehr zurück und ließen vor allem den Akteuren auf der Bühne viel Raum, was durchaus positiv zu vermerken ist.
| Pretty Woman - Das Musical in Frankfurt, Schlussapplaus Kompanie (Foto: H.boscaiolo) |
Rund – glatt – publikumswirksam
Alles in allem eine runde, sehr geschlossene und musikalisch zeitlos wirkende Sache mit Pretty Woman. Dennoch sehr glatt, wenig Tiefe, aber dafür sehr publikumswirksam. Man stand förmlich auf den Sitzplätzen und klatschte im Rhythmus zu "Oh, Pretty Woman", bis sich der Vorhang endgültig schloss. Und das dauerte doch einige Zeit.

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