Sonntag, 15. Februar 2026

Cresc … Biennale für aktuelle Musik, Schwärmen 2026 vom 04.02. – 15.02.

Beehive Connections mit Mitgliedern des Ensemble Modern (EM), der IEMA, der hr-Bigband, dem hr-Sinfonieorchester, KunstKulturKirche Allerheiligen Frankfurt, 14.02.2026


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
Foto: Wonge Bergmann

Wandelkonzert zum Schwärmen

Inside the Swarm, das sei vorweggenommen, nennt sich die in der KunstKulturKirche (KKK) Frankfurt Während der Cresc … Biennale stattfindenden Licht- und Klanginstallation der französischen bildenden Künstlerin Justine Emard (*1987), und Beehive Connections, der Titel dieses denkwürdigen Wandelkonzerts bezieht sich unmittelbar darauf.


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
EM Streichquartett
Foto: Wonge Bergmann

Assoziationen zu Bienenschwärmen

Beehive Connections (zu deutsch etwa: Bienenstock Verbindungen) ist ein musikalisches Konzept, das von den EM Mitgliedern Hermann Kretschmar und Uwe Dierksen im Rahmen dieser Installation entwickelt wurde und verfolgt den musikalischen Versuch, mit den 20 mundgeblasenen Glasobjekten der Installation, die durch Motoren und Lichteinflüsse gesteuert, den Bienenschwarm imitieren sollen, zu korrespondieren und zu interagieren und damit Assoziationen und atmosphärische Eindrücke zu vermitteln.

Ein Konzept, das musikalisch wie optisch durchaus Assoziationen zu Bienenschwärmen herzustellen vermochte, aber auch ohne diese Schwarm-Zusammenhänge (nicht jeder der Besucher des Konzertabends hatte auch die Installation, die am 13.02. schloss, besucht) ein Kaleidoskop der aktuellen Musik darbot und das mit bestens durchdachter Auswahl.


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
Foto: Wonge Bergmann

Perfekte musikalische Auswahl

Die beiden Musiker, Komponisten und Entertainer, Hermann Kretschmar (Klavier) und Uwe Dierksen (Posaune) hatten dazu 19 Musikerinnen und Musiker des EM, der IEMA ( insgesamt 11), der hr-Bigband (3), dem hr-Sinfonieorchester (4) und nicht zuletzt den Organisten Florian Briegel engagiert, die das Projekt mit 19 einzelnen Stücken belebten, Werke, die in irgendeiner Form dem Gedanken des Schwarms, des Schwärmens entsprechen.

Ausgesucht hatten sie dazu relativ kurze Kompositionen von Beethoven (zwei Streichquartette, Scherzi aus op.131 und op. 135) bis Arvo Pärt, *1935 (Spiegel im Spiegel für Klavier und Geige, 1978, im typischen Tintinnabuli Stil), darunter auch ein Viola-Solo, Notturno Brillante Nr.1, von Salvatore Sciarrino (*1947), fantastisch interpretiert von Megumi Kasakawa, von György Ligeti (1923-2006) Continuum für Cembalo (1968), perfekt von Ueli Wiget vorgetragen, oder auch von Steve Reich, *1938, Vermont Counterpoint für Flöte und Tonband von 1982, das Dietmar Wiesner in gewohnt bester Manier präsentierte.

Zu nennen wären darüber hinaus noch Werke von Justé Janulyte (*1982), Aria for String Quartet (2008), Conlon Nancarrow (1912-1997), Study 15 (1960), Philip Glass (*1937) String Quartet (1991) und Oliver Leicht (*1969), Saxophonist und Klarinettist der hr-Bigband, mit Believer (2018)


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
Dietmar Wiesner EM in Aktion
Foto: Wonge Bergmann

Schwarm – Kommunikation – Spiegelungen

Dazu zählen natürlich noch die insgesamt zehn Kompositionen der beiden Protagonisten, die allesamt ihre Uraufführung erleben durften. Davon acht von Hermann Kretschmar (*1958), herausragend darunter Triller Schwarm 1 und 2, Glass-Schwarm und Maschinen-Schwarm, sowie die beiden Kompositionen von Uwe Dierksen (*1959-2026), Queen and Drones, ein Trio für Flöte (Dietmar Wiesner), Trompete (Sava Stoianov) und Posaune (Till Künkler), eines von außergewöhnlicher Schärfe mit atonaler Attitüde, sowie Kommunikation für Trompete und Posaune, ein dunkel trauriges Werk, sehr elegisch mit tatsächlich begleitend hörbaren Klang- wie Lichteffekten der Installation. 

Wie ein Ruf aus der Wüste klang dieses hervorragend interpretierte Werk des vor wenigen Tagen leider viel zu früh verstorbenen Künstlers.

Möge seine Seele in den Parnass des Olymp aufsteigen und auch dort seine wunderbare Musik genießen dürfen. Möglicherweise stammten die Nebenklänge dieser musikalischen Kommunikation gar von ihm höchstselbst. Ein Traum, ein Wunsch der Zurückgebliebenen.


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
Streichquartett des hr-Sinfonieorchesters
Foto: Wonge Bergmann

Große Andacht

Tatsächlich konnte der Konzertabend – das zahlreiche Publikum wandelte fast andächtig durch die im Raum verteilten Ensembles, Quartette und Duette, filmten und fotografierten, aber hörten und staunten, was sehr positiv zu vermerken ist – restlos begeistern.


KunstKulturKirche Frankfurt: Beehive Connections
Ueli Wiget in Aktion
Foto: Wonge Bergmann

Orgel im Prolog und Epilog

Die Orgel, ein gewaltiges Teil für diese doch kleine Kuppelkirche mit einer Dom-Akustik (sehr lange Verweildauer der Töne), kam zu Anfang wie zum Finale zum Einsatz. Florian Briegel spielte exzellent und ließ zwischen Bienenschwarm-Trillern (Von Kretschmar stammte auch der Orgelschwarm als Prolog) und vertikalen Klangflächen zum Schluss noch einmal alle Register ertönen, ein vierfach Forte bei Freestyle Begleitung aller vorhandenen Instrumente, eine Folia als Epilog, komponiert und unter dem Dirigat von Hermann Kretschmar, nach Maß mit einem langen, sehr langen bogenförmig auf- und absteigendes Crescendo und Decrescendo, das die Besucher der heiligen Halle in Beifallsstürme ausbrechen ließ.

Uwe Dierksen (Foto: Website)

Zwischen Trauer und Begeisterung

Ein weinendes und ein lachendes Auge ließen den Kommentator dieses Konzertevents zurück. Denn der Besucher wurde durch einen Flyer über den Tod des Künstlers, Mit-Initiators und Kurators dieses Projekts Beehive Connections informiert, was diejenigen, die Uwe Dierksen kannten und schätzten, in große Trauer versetzte. 

alle Teilnehmer beim Schlussapplaus (Foto: H.boscaiolo)

Andererseits wurde das Publikum nicht allein durch das Konzept und die Performance, sondern auch von den Uraufführungen der beiden Protagonisten in höchste Begeisterung versetzt. Besonders dieses wunderbare Konzert wird uns als unvergängliche Erinnerung an den großen Künstler, Uwe Dierksen, dem auch spontan dieses Cresc-Event gewidmet wurde, erhalten bleiben.

Lieber Uwe, Du wirst uns fehlen, Deine Musik und die Erinnerung an Dich werden bleiben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen