Samstag, 21. Februar 2026

SPARK – Die klassische Band, Alte Oper Frankfurt, 20.02.2026 (eine Veranstaltung der Bachkonzerte e. V.)

SPARK - Die klassische Band (Foto: Christian Palm)

SPARK – Funken sprühen

Vor ziemlich genau zehn Jahren füllte SPARK – Die klassische Band den Großen Saal der Alten Oper Frankfurt, gemeinsam mit dem Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle, und brillierte mit einer Uraufführung von Johannes Motschmann. Ein voller Erfolg.

Aber danach trat, zumindest auf Frankfurt bezogen, eine lange Sendepause ein. Das Quintett, gegründet 2007  erlebte einen kometenhaftem Aufstieg bis zur Verleihung des ECHO Klassik Award 2011, wechselte seine Mitglieder und zurück blieben lediglich die beiden Blockflötisten und Gründer von SPARK: Daniel Koschitzki und Andrea Ritter, zwei Ausnahmekünstler an diesen doch relativ selten gespielten Instrumenten, zumindest auf den Weltbühnen.

SPARK - Die klassische Band
v. l.: Stefan Balazsovics, Cristian Klein, Isabel Garcia Castro,
Daniel Koschitzki, Andrea Ritter

Foto: H.boscaiolo


B-B-B

Am gestrigen Konzertabend, im vollbesetzten Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt, traten sie mit Stefan Balazsovics (Geige und Bratsche), Isabel Garcia Castro (Violoncello) und Christian Fritz (Klavier) auf die Bühne mit einem Programm, das sie kurz B-B-B nannten, nämlich mit Bezügen zu Johann Sebastian Bach (1685-1750), Luciano Berio (1925-2003) und den Beatles der 1960er Jahre.

Drei Komponisten, wie sie kaum unterschiedlicher in Stil und Harmonik sein können, aber genau das ist das Metier dieser Band. Sie bringen zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört, aber dennoch musikalisch durchaus großartige Musik werden kann.

Dazu hatten sie vom großen Meister des Barock Johann Sebastian Bach insgesamt vier Werke aus dem Wohltemperierten Klavier, seinen diversen Partita, seiner h-Moll Suite BWV 1067 (eine Bearbeitung von Gustav Mahler) sowie dessen Konzert a-Moll BWV 1065 ausgesucht, natürlich für das Quintett arrangiert, dann vier Werke von Luciano Berio, darunter zwei seiner vierzehn Sequenze aus den 1960er Jahren für Flöte und Viola. Aber auch die Gesti (1966) und das Wasserklavier (1965) durften nicht fehlen. Von den Beatles hörte man allein fünf Songs, darunter Blackbird, Michelle, Help, Eleanore Rigby wie auch Lucy in the Sky, alles Ohrwürmer aus den 1960ern, die heute noch äußerst beliebt sind.

SPARK - Die klassische Band
v. l.: Stefan Balazsovics, Cristian Klein, Isabel Garcia Castro,
Daniel Koschitzki, Andrea Ritter

Foto: H.boscaiolo


Flötisten: Kern von SPARK

Daniel Koschitzki übernahm souverän und gekonnt die Moderation, erklärte kurz und prägnant die einzelnen Stücke und machte auch deutlich, dass alle Nummern, insgesamt zwanzig, entweder arrangiert oder für diese instrumentale Zusammensetzung angepasst wurden. Im eigentlichen Sinne sind die beiden Flötisten der Kern von SPARK – die klassische Band

Daniel Koschitzki und Andrea Ritter, sie hatten jeweils mindestens 10 unterschiedliche Blockflöten in ihrem Arsenal, dazu spielt Koschitzki noch auf einer Melodica, sind Meister ihres Fachs, ihre Brillanz, Empathie und mitreißende Spielfreude überträgt sich automatisch auf die übrigen Musiker, aber auch auf das Publikum.


Stilistische Kontraste

Die gewaltigen stilistischen Kontraste bilden zweifellos Berios Sequenze I – XIV für alle Soloinstrumente, ausgenommen das Klavier. Sie sind überwiegend der musique concrète instrumentale verhaftet und loten alle Möglichkeiten des Umgangs mit dem Instrument aus.

Hier waren es die Viola, das Violoncello und, in den Gesti, die Altblockflöte. Herausragend dabei Andrea Ritter, die ihre Altflöte tatsächlich zu einem menschlichen Wesen zu transformieren verstand, aber auch die Cellistin Isabel Garcia Castro verstand es, die absolut anspruchsvollen Techniken auf dem Holz, den Saiten und den Stegen ihres Instruments zu meistern.

Warum die Viola der VI. Sequenz mit Stefan Balazsovics ausgewählt wurde, obwohl er doch ansonsten ausschließlich auf der Geige spielte, bleibt ein Geheimnis. Glücklicherweise dauerte das gut 15 minütige Kunstwerk nur knapp zwei Minuten und wechselte attacca zum Wasserklavier, ebenfalls von Luciano Berio, ein Miniatur von 1965, nachdenklich und ganz dem Impressionismus verschrieben, ungewöhnlich tonal und vom Pianisten Christian Fritz mit extremer Pedalierung vorgetragen.

SPARK - Die klassische Band
v. l.: Stefan Balazsovics, Cristian Klein, Isabel Garcia Castro,
Daniel Koschitzki, Andrea Ritter

Foto: H.boscaiolo


Arrangements und Bearbeitungen

Erwähnenswert noch die drei Kompositionen von Sebastian Bartmann. Eigentlich sind es eher Arrangements aus J. S. Bachs Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier, die auf das Quintett zugeschnitten sind. Dazu zählt auch die Bearbeitung des Präludiums aus dem Zyklus „Monatliche Clavierfrüchte Oktober“ (1722) von Christoph Graupner (1683-1760) von Victor Plumettaz, ein ehemaliges Mitglied von SPARK (er spielte das Violoncello). 

Ein Kanon à la Pachelbel mit ostinatem Basso continuo auf dem Klavier und eingängigen Melodien von Flöten Cello und Geige, das den ersten Teil des Konzertabends abschloss.

SPARK - Die klassische Band
v. l.: Stefan Balazsovics, Cristian Klein, Isabel Garcia Castro,
Daniel Koschitzki, Andrea Ritter

Foto: H.boscaiolo


Überzeugende Idee

Sebastian Bartmanns B(e) to B (e), ein Potpourri, das natürlich Bach und die Beatles, weniger Berio miteinander verknüpfte, denn heraus kamen Eleanore Rigby von den Beatles und die Badinerie aus BWV 1067, bildete das Finale des Events. Auch hier jazzige und atonale Sequenzen, aber insgesamt doch bestens hörbar und zum Mit-Wippen. 

Und weil es so schön war, man klatsche rhythmisch im Stehen und wollte die Band nicht von der Bühne entlassen, gab es noch eine Zugabe von Johann Sebastian Bach, nämlich aus dessen Kantate: „Was mit behagt ist nur die muntere Jagd“ von 1713, die wunderschöne Sopranarie in B-Dur: „Schafe können sicher weiden.“

Ein Bearbeitung für C- und Piccoloflöte, die ihre klangliche, leuchtende Pracht noch einmal entfalten konnten.

SPARK sprüht Funken (Wortbedeutung), wird international gelobt und sogar mit dem Kronos Quartet verglichen. Dazu braucht es noch ein wenig Zeit, aber nichtsdestotrotz ist ihre Idee der Verbindung von Barock, Klassik, Pop, Rock und Jazz zukunftsweisend und absolut überzeugend.

SPARK - Die klassische Band
v. l.: Stefan Balazsovics, Cristian Klein, Isabel Garcia Castro,
Daniel Koschitzki, Andrea Ritter

Foto: H.boscaiolo

Zwischen Brillanz und Mittelmaß

Ein sehr kurzweiliger Konzertabend mit einem aufgeräumten Moderator, in allen Bereichen brillanten Flötisten und großartigen Entertainer, Daniel Koschitzki, einer technisch versierten und höchst musikalischen Andrea Ritter, einer klanglich ausgereiften Cellistin Isabel Garcia Castro, die vor allem mit Berios Sequenza überzeugte, einem etwas spröden Geiger (eigentlich eher für Irish Folk Music geeignet), Stefan Balazsovics, sowie einem Pianisten und Arrangeur Christian Fritz, von solider Basis, dem man allerdings ein wenig mehr von Daniel Koschitzki wünschen würde.

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