39. Rheingau Musik Festival 2026
Nils Landgren & Ida Sand, Schloss Vollrads, 07.07.2026
| Nils Landgren (Foto: Nicola Stankovic) |
Happy Birthday
Die Ikone des Jazz, Funk, Pop, Blues und Soul, Nils Landgren (*1956) feierte gemeinsam mit Freunden seinen 70. Geburtstag auf Schloss Vollrads. Mitgebracht hatte er nicht allein Ida Sand (*1977), mit Preisen übersäte schwedische Sängerin, Pianistin und Komponistin, sondern auch ein Trio aus der aktuellen Jazz Szene mit Ilja Ruf (*2001) am Keyboard, Caris Hermes (*1991) am Kontrabass sowie Eva Klesse (*1986) am Schlagzeug.
| Ida Sand &Nils Landgren (Foto: Ansgar Klostermann) |
„Love of my Life“
Ein Quintett also auf schwankender Seebühne (tatsächlich befand sich die Bühne auf dem Froschteich, der den markanten Wasserturm umrahmt) des malerischen Schlosses, bei bestem Sommerwetter und vollbesetzter Gartenanlage.
Tatsächlich eröffnete Nils Landgren auf seinem geliebten Rheingau-Schloss sein diesjähriges Geburtstagsprogramm unter dem Motto: Happy Birthday, Nils Landgren, und hatte gemeinsam mit seinen Mitstreitern Songs und Balladen ausgewählt, die vor allem den skandinavischen Soul-Jazz prägen und mit denen er wie Ida Sand Weltberühmtheit erlangten.
Dreizehn Songs aus ihrem reichhaltigen Repertoire, vor allem aus ihrer gemeinsamen Neuproduktion „Love of my Life“ (2026) mit emotionalen Jazz-Balladen und gefühlvollen Arrangements.
| v. l.: Ida Sand, Nils Landgren, Caris Hermes Foto: Ansgar Klostermann |
Soul- und Gospel-Balladen
Gleich zu Beginn stellt sich "Mr. Red Horn" mit You Can Reach Me aus seinem neuesten Album vor. Mit hellem, hauchendem Tenor und bluesigem weichem Posaunensolo. Es folgt Ida Sand mit Waiting. Eine Eigenkomposition aus eben demselben Album, voller Sehnsucht und gospelartiger Stimmführung. Begleitet wird sie dabei vom Keyboarder Ilja Ruf, der die Ballade mit einer jazzigen Improvisation begleitet.
Der folgende Soul- und Gospel-Song, weltbekannt geworden durch die Interpretation der legendären britischen Rockgruppe The Hollies He Ain´t, He´s Is My Brother, wird von beiden gesungen und von Lindgrens Posaune kongenial untermalt. Mit leichten Abwandlungen wie He´s My Sister gehörte dieser Song zum ersten Höhepunkt des kurzweiligen Programms von knapp 90 Minuten, das das Quintett ausgewählt hatte.
| v. l.: Caris Hermes, Ida Sand, Nils Landgren Foto: Ansgar Klostermann |
Arrangement mit Herzschmerz
Herauszuheben seien dabei das Arrangement von Ida Sand: I Wish I Know I Would Feel To Be Free, das sie am Klavier begleitet und später von Landgren mit Posaune und Gesang ergänzt wird. Ebenso das Arrangement von Neil Youngs Harvest Moon, das sie mit melancholischem Grundtenor präsentiert und von der Band ebenfalls mit Herzschmerz begleitet wird.
Ida Sand hatte wohl auch einen etwas schwermütigen Tag ausgewählt, denn sie präsentierte noch eine Eigenproduktion aus ihrem neuestem Album, das allerdings erst im September veröffentlicht werden wird.
Ein Song mit dem Titel: I Will Be Right There, in dem sie ihrer 19-jährigen Tochter die Botschaft mitgibt, dass sie immer für sie da sein werde. Sehr emotional gesungen und auf dem Klavier begleitet, ja fast schon ängstlich in die Zukunft schauend.
| v. l.: Ida Sand, Nils Landgren, Caris Hermes, Ilja Ruf, Eva Klesse (Foto: Ansgar Klostermann) |
Bereits früh wird das Ende des Abendevents eingeleitet. Mit dem Klassiker Everthing Must Change, ein Song, von Bernard Ighner geschrieben und von Quincy Jones populär gemacht, erinnert sich Landgren mit fast brüchiger Stimme noch einmal der vergangenen Lebensereignisse, eines Lebens, das nicht stehen bleibt, sondern in ständiger Bewegung ist, um dann in den New-Orleans-Modus zu starten.
Er beginnt mit It´s Your Voodoo Working, ein Rhythm and Blues (R&B) Klassiker von Charles Sheffield aus dem Jahre 1961, dieses Mal aus dem Album My Soul Kitchen (2018 ) entnommen.
Dann folgt, nach einer Aufforderung zum Tanz, The Same Old Story, the Same Old Song, ein Boogie-Woogie des legendären Jazz Pianisten Joe Sample aus dem gemeinsamen Studioalbum Love is my Life.
| Bühne mit Schlossgarten (Foto: H.boscaiolo) |
Ein Ort zum Verlieben
Ein Rausschmeißer par excellence, denn das Publikum tanzte wild und fröhlich durcheinander. Ein Finale nach Maß. Nein, nicht ganz so, denn Ida Sand musste noch einmal eine melancholische Volksweise aus ihrer Heimat Schweden zum Besten geben.
Ganz allein, nur auf ihrem Klavier begleitet. Jetzt aber war endgültig Schluss mit Geburtstagsfeier. Schnell leerte sich der Schlossgarten, einer der wunderbarsten Kulissen für jede Art von Konzertveranstaltung. Ein Ort zum Verlieben.
| v. l.: Ida Sand, Caris Hermes, Nils Landgren, Eva Klesse, Ilja Ruf, N.N. Foto: Ansgar Klostermann |
Routinierte musikalische Atmosphäre
Über die Qualität des Happy-Birthday-Konzerts lässt sich allerdings trefflich streiten. So ist die Stimme von Ida Sand zwar klar und wohl ausgebildet, aber von Soul kann kaum die Rede sein. Fehlt ihr doch der gewaltige Stimmumfang der klassischen Soulsängerinnen, wie beispielsweise einer Aretha Franklin, und vor allem die notwendige Farbe in den Höhen. wie bei Shirley Bassey, um nur einige von ihnen zu nennen.
Auch die bekannte und geschätzte Tenorstimme von Nils Landgren ist doch recht brüchig geworden, ein wenig verloren und kraftlos. Aber das sollte zu seinem 70. absolut erlaubt sein.
Das Begleittrio mit Ilja Ruf, Caris Hermes und Eva Klesse spielte zwar absolut professionell (wie auch ihre eingestreuten Solonummern), allerdings bei den klar harmonisch strukturierten Songs keine große Schwierigkeit. Man spürte dennoch das reine Handwerk und die etwas emotionsarme, routinierte musikalische Atmosphäre. Kurz: Es fehlte einfach der Soul, der groovige Jazz, und vor allem die musikalische Seele.
| v. l. Caris Hermes (Rückenansicht, Nils Landgren, Ida Sand, Publikum Foto: Ansgar Klostermann |
Ein Hoch auf Nils Landgren
Das Geburtstagskind Nils Landgren führte allerdings sehr souverän durch das spontan angesagte Abendprogramm und bot, wie gewohnt, sein bestes Spiel auf der roten Posaune. Allein er lohnt es immer für einen Besuch. Happy Birthday und viele weitere Konzerte auf den RMFs, lieber Nils Landgren!
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